Balance1
Balance2

Qi Gong

Eine der 5 Säulen der Traditionellen Chinesischen Medizin

Das Konzept von Leben, Gesundheit und Krankheit ist in China und bei anderen asiatischen Völkern weit entfernt von den Ansichten, die bei uns – den Menschen des Abendlandes – Geltung haben. Oft wird hier nur das Greifbare, das Messbare anerkannt. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb im „Westen” erst seit zwei Jahrhunderten die Medizin zur Wissenschaft „erhoben“ wurde.

In China gibt es die Medizin in Form der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) schon seit mehr als 3000 Jahren. Dort besteht eine enge Verbindung mit dem Daoismus, der Naturphilosophie, und dem Konfuzianismus, der Staatsphilosophie, der Chinesen. Analog der konfuzianischen Staatsordnung, d.h. Speicher in den einzelnen Provinzen als Versorgungszentren und Transportwege als Verteilungskanäle, sah man die im Körper liegenden Organe als Speicher und die Leitbahnen als Transportwege an.

Auf diesen Leitbahnen fließt das Qi, vereinfacht als Lebensenergie übersetzt, welches nach Ansicht der Chinesen nicht nur im Menschen sondern auch in allen anderen Dingen und somit im gesamten Kosmos enthalten ist. Ist Qi ausreichend vorhanden und fließt es ungehindert im Körper, so ist der Mensch gesund. Fehlt Qi oder ist der Qi-Fluss blockiert, so entsteht Kranksein.

Die Ursache für eine Qi-Stagantion kann z.B. in äußeren Faktoren wie Hitze, Kälte, Wind, Trockenheit oder Feuchtigkeit, in inneren Faktoren wie Emotionen, welche über einen längeren Zeitraum und in starkem Maße auf einen Menschen einwirken, aber auch in Faktoren wie Umweltbedingungen und Lebensstiel liegen.

So liest man im Su Wen (Einfache Fragen), einem Klassiker der Chinesischen Medizin, in welchem Gespräche zwischen dem legendären Gelben Kaiser Huangdi und seinem Leibarzt Qi Bo niedergeschrieben sind, im ersten Kapitel „Die Methoden zur Erhaltung der Essenz und Pflege des Geistes“ folgende Textzeilen:

Kaiser Huangdi fragt: Ich habe gehört, dass im Altertum viele Menschen 100 Jahre alt wurden und noch keine Spuren von Altersschwäche zeigten. Aber die heutigen Menschen werden nach nur etwa 50 Jahren altersschwach. Liegt der Grund dafür in der veränderten Zeit und Umwelt oder darin, dass sie die Methode zur Gesundheitspflege nicht kennen?

Qi Bo antwortet darauf: Menschen im Altertum, die mit der gesunden Lebensführung bewandert waren, führten nach der Theorie von Yin und Yang und den Naturgesetzmäßigkeiten ein geregeltes Alltagsleben, wobei sie beim Essen und Trinken Maß hielten und die Arbeits- und Pausenzeiten genau einhielten. Deshalb waren sie körperlich und geistig gesund und vital und lebten lange. Heute sind die Menschen nicht mehr so. Sie halten keine Arbeits- und Pausenzeiten ein; sie saufen und führen im Suff ein exzessives Sexualleben; um der momentanen Behaglichkeit und Bequemlichkeit willen erschöpfen sie oft ihre ganzen Kräfte, was nicht der gesunden Lebensführung entspricht.

Gesunderhaltung oblag also in China schon immer der Eigenverantwortlichkeit. Seit geraumer Zeit gibt es z.B. „Erwachsenenspielplätze“ mit simplen Fitnessgeräten an fast jedem Häuserblock oder in Parkanlagen. Neben dem morgendlichen traditionellen Qigong-Übungen werden an diesen Geräten die Menschen dazu angehalten, mittels einfacher Übungen ihre Beweglichkeit und Kraft zu verbessern.

Die TCM hat fünf Therapie-Säulen,
um diesen Qi-Fluss wieder zu regulieren

Die Akupunktur, das Nadeln bestimmter Punkte auf den so genannten Leitbahnen oder Meridianen, hält derzeit auch im Westen Einzug und findet immer mehr Anhänger.

Die Arzneimittelheilkunde, die häufigste Behandlungsmethode in China, beruht auf der Erfahrung, dass alle Pflanzen, ebenso wie tierische und mineralische Produkte bei innerlicher oder auch äußerlicher Anwendung den Körper energetisch beeinflussen, d.h., dass z.B. Kräuter nach Geschmack und der Fähigkeit den Körper zu wärmen oder zu kühlen sowie nach den Affinitäten zu den Funktionskreisen (Leitbahnen, Organe…) klassifiziert sind.

Ebenso verhält es sich mit der Diätetik. Nahrungsmittel, welche grundsätzlich nicht so eine starke Wirkung wie Kräuter haben, werden jedoch vom Menschen in größeren Mengen und über einen deutlich längeren Zeitraum zu sich genommen. „Der Mensch ist was er isst“, auch dieses Sprichwort hat in China Gültigkeit.

Bei Tuina handelt es sich um eine Massagetherapie, welche in den Grifftechniken viele Parallelen zur westlichen Massage zeigt, jedoch nicht darauf abzielt, Gelenke und Muskeln sondern Leitbahnen und Akupunkturpunkte zu massieren. Übersetzt bedeutet der Begriff „Tui“ schieben und „na“ greifen oder ziehen.

Um das volle Potenzial der obigen Methoden der TCM auszuschöpfen, ist es jedoch wünschenswert und teilweise notwendig, eine Diagnose nach Chinesischer Medizin in Form von z.B. Befragen, Betasten, Zungen- sowie Pulsdiagnose durchzuführen. Wie schwierig dies jedoch ist, zeigt die Tatsache, dass die TCM  28 verschiedene Pulsqualitäten kennt.

Da die TCM eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen in den Mittelpunkt stellt, steht das subjektive Befinden im Vordergrund und nicht wie in der westlichen Medizin objektiv messbare Faktoren.

Qigong als fünfte Säule der TCM hat insofern eine besondere Stellung, da es sich um ein eigenverantwortliches Übeverfahren handelt.

Während es sich bei den anderen 4 Säulen der TCM eher um einen „Eingriff“ (z.B. Nadeln) von Außen handelt, um den Qi-Fluss im Körper zu regulieren, liegt es in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen zu entscheiden, mit welcher Regelmäßigkeit, wie lange und mit welcher Intensität er Qigong übt. Gong bedeutet „Erfolg durch Ausdauer und Übung” und deutet auf den wichtigen Aspekt des regelmäßigen und angemessenen Übens hin.

Der Begriff Qigong ist eine Sammelbezeichnung für alle Übungsformen die das Qi vermehren und mobilisieren, d.h. Qi-Blockaden im Körper lösen und den Qi-Fluss anregen. So unterschiedlich die einzelnen Methoden sind, so haben sie jedoch folgende drei Aspekte gemeinsam:

Gesundheitsfördernde Körperhaltung, die Übungen werden stehend, sitzend oder liegend ausgeführt, und die Bewegungen  sollen bewusst ausgeführt werden und harmonisch, fließend und rund sein.

Atemführung, eine Regulierung der Atmung in Form von natürlicher Atmung, Bauchatmung oder umgekehrter Bauchatmung und wechselseitigen Anpassung von Atem- und Bewegungsfluss.

Aufmerksamkeitslenkung, die Gedanken werden an einen bestimmten Ort des Körpers (z.B. Akupunkturpunkt) gelenkt oder Vorstellungsbilder werden erzeugt, um in geistige Ruhe zu gelangen.

Der Methodenzyklus des DAOYIN YANGSHENG GONG (Übersetzt: Führen des Qi und Dehnen der Glieder, um das Leben zu nähren), wurde seit den siebziger Jahren von Professor Zhang Guangde an der Sportuniversität Beijing entwickelt.

Im Jahre 1974 diagnostizierten Ärzte bei Prof. Zhang eine schwere Krankheit, die aufgrund verschiedener anderer Krankheiten und Allergien nicht mit herkömmlichen Medikamenten behandelt werden konnte.

Er sammelte und systematisierte Material über Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) sowie traditionelle Übungen zur Gesunderhaltung und fasste diese mit modernen Theorien über Krankheiten zusammen. Basierend auf diesen Kenntnissen und seinen Erfahrungen erstellte er in den letzten zwanzig Jahren über 30 Übungsformen deren  Besonderheit darin besteht, dass diese Methoden die medizinischen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte mit der Grundkonzeption der TCM und der Qigong-Praxis verbinden.

Hierfür erhielt er 1992 eine staatliche Auszeichnung und im Jahre 1996 wurde der Methodenzyklus als einzige Qigongmethode in das Nationale Chinesische Gesundheitsprogramm aufgenommen.

Das Innen nährende Qigong  (Neiyanggong) von Frau Liu Yafei (Qigong-Klinik Beidaihe)

Frau Liu Yafei  ist Ärztin und Vizedirektorin der Qigong-Rehabilitations-Klinik in Beidaihe VR China. Die Klinik wurde 1956 von Dr. Lui Guizhen, dem Vater von Frau Liu Yafei, gegründet. In Beidaihe wurde zum ersten Mal und über einen langen Zeitraum Qigong systematisch klinisch angewendet. Der Klinik angegliedert ist das „Nationale Ausbildungszentrum für medizinisches Qigong der Provinz Hebei”. Dieses Ausbildungsinstitut für Ärzte, die Qigong therapeutisch anwenden wollen, hat in der Volksrepublik China die ersten gültigen Anerkennungsrichtlinien für Qigong-Lehrer/innen entwickelt. Frau Liu Yafei ist Leiterin des Ausbildungszentrums in Beidaihe und unterrichtet die Methoden des „Neiyanggong”. Diese alte Methode des „Innen nährenden Qigong” wurde von ihrem Vater in den dreißiger Jahren systematisiert und erstmals schriftlich niedergelegt. Das medizinische Qigong besteht aus verschiedenen  Übungen des Stillen Qigong (jing gong) und  Qigong  in Bewegung (dong gong).

Philosophischer Teil der Ausbildung

Qigong basiert vornehmlich auf den Prinzipien des philosophischen Daoismus, wie sie einmal im klassischen Orakelbuch des „I Ging” und zum anderen in den Werken des Laotse und Zhuangtse vorliegen. Der Grad des Könnens in dieser Bewegungskunst lässt sich daran messen, wie weit es gelungen ist, diese Prinzipien des Dao, symbolisiert im Bild des Wassers; des Yin und Yang sowie des „Wu Wei”, des Nicht-Tuns, in die eigene Bewegungspraxis zu integrieren. Die Lektüre des Daodejings und Zhuangtses „Buch vom südlichen Blütenland” dient in diesem Sinne keiner reinen intellektuellen Erbauung, sondern einer Theorie-Praxis-Orientierung, da sie uns den Weg zeigt, auf welchem diese Kunst praktiziert werden soll. Mit Nachdruck betont sie, dass diejenigen, welche den Weg des Dao unter dem Aspekt eines äußerlichen Erfolgs- und Machtstrebens beschreiten, kaum die Chance haben, Fortschritte zu machen; dass Geschmeidigkeit, Sanftheit, Mühelosigkeit sowie innere Kraft und Ausdauer denen beschieden sind, die immer mehr durch unnötiges Tun entstandene Blockierungen loslassen und intuitiv erspüren können, wann der richtige Zeitpunkt des Handelns gekommen ist.

Weitere Informationen

Taiji-Dao e.V.

Tel. 0212-244 3567; Fax 244 3652

taiji-Dao@t-online.de   www.Taiji-Dao.de

 

Im Taiji-Dao e.V. werden seit fast 10 Jahren berufsbegleitende Ausbildungen zum/zur Qigong-Lehrer/in angeboten. In NRW werden seit dem Jahr 2005 die Gebühren für die Ausbildung vom Europäischen Sozialfond mit 50% bezuschusst.

Der Verein wurde 1998 am Philosophischen Seminar der Deutschen Sporthochschule Köln von Dozenten und Absolventen der Hochschule gegründet. Neben Dozenten und Absolventen der Deutschen Sporthochschule Köln unterrichten im Rahmen der Ausbildungen Gastdozenten/innen der Qigong-Klinik Beidaihe und der Sportuniversität Beijing.

Weiterhin organisiert der Taiji-Dao e.V. seit dem Jahr 2000 jährliche Studienreisen in die VR China in Verbindung mit Qigong- und Taijiquan-Unterricht (Tai Chi) an der Qigong-Klinik Beidaihe und der Sportuniversität Beijing.

Das Erlebnis an der Quelle Qigong und Taijiquan zu lernen, mit Chinesen frühmorgens in den Parkanlagen zu üben, die Vielfalt der Chinesischen Küche zu genießen, einen Hauch der alten Chinesischen Kultur zu kosten und sich vor Ort von der Therapiekompetenz des Klinikpersonals zu überzeugen, hat schon vielen Teilnehmern/innen den Einstieg in ein eigenverantwortliches und gesünderes Alltagsleben erleichtert.

 

Quelle: BALANCE 2/2008

 

klick hoch

 

Kontakt

Medientipps
Leserbriefe
Impressum

aktuelles Heft

Heft
Heft 4/2016
Seit 1997 zeigen
wir neue Wege auf.

Haftungsausschluss

Datenschutzerklärung

Copyright BALANCE ® online, 2001 - 2016

Balance-unten