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Spirituelles Coaching

Eine neue Didaktik spirituellen Lernens

Spirituelle Wege sind nicht mehr nur eine Sache weniger Auserwählter oder Aussteiger. Viele Millionen Menschen sind heute auf der Suche nach Sinn und Selbsterkenntnis. Diese neue Entwicklung verhilft nicht nur den Einzelnen zu einem erfüllteren Leben. Auch ein Bewusstseinssprung mit positiven Auswirkungen auf die geistige Verfassung der menschlichen Zivilisation und den desolaten Zustand unseres Heimatplaneten ist mehr als willkommen.

Eine grundlegende Transformation unseres Bewusstseins und damit unserer Lebensweise ist für uns so notwendig wie die Luft zum Atmen. Spirituellem Know-how und Be-how kommt deshalb immer mehr eine Schlüsselfunktion zu. Die Zeit des Rückzugs in Randszenen mit ihren eigenen, für Außenstehende unverständlichen Verhaltensweisen und Jargons ist vorbei. Wer etwas zur Bewusstseinsentwicklung beitragen kann, gehört auf den Marktplatz.

Spirituelle Coaches unterstützen und ermutigen

Gautama Buddha nannte vor 2500 Jahren seine Vision eines zukünftigen spirituellen Lehrers »Maitreya«, den Freund. Heute würden wir ihn wohl eher einen »Begleiter« nennen. Zu ihm schauen wir nicht auf. Wir schauen ihn an. Er verkündet nicht. Er unterstützt und ermutigt. Die Lernenden wiederum verehren ihn nicht. Sie würdigen seine Erfahrung, sein Wissen und Bewusstsein.

Die Methoden modernen Coachings ermöglichen diesen neuen Weg. Sie holen die Menschen ab und docken an ihre täglichen Fragen und Probleme an. Sie erlauben es, die Tiefe eines spirituellen Weges mit dem Pragmatismus konkreter Lösungsschritte zu verbinden. Sie respektieren persönliche Grenzen und öffnen doch lange verschlossene Fenster und Türen. Wer so frische Luft atmet, geht fast von allein die ersten Schritte aus beengenden Ich-Konzepten in die Weite des Seins.

Systemische Coachingansätze, die innere und äußere Systeme klären und ordnen helfen, sind für die Verbindung mit spirituellen Prozessen besonders geeignet, denn

Sie sind weitgehend frei von dogmatischen Konzepten.

Sie etikettieren nicht den einen als gesund und wissend, den anderen als gestört und unwissend.

Sie sind zugleich prozess- und lösungsorientiert.

Konkrete Ergebnisse und positive Veränderungen sind auch in kurzer Zeit möglich.

In ihrer offenen, phänomenologischen Vorgehensweise können sie Persönliches und Überpersönliches integrieren.

Worum geht es im Spirituellen Coaching?

Es geht um einen praktischen, persönlichen Zugang zu den alten Fragen des Menschseins: Wie gehe ich mit der Situation des »in die Welt Geworfenseins« um? Wie bewältige ich die Krisen meines Lebens? Wo will ich hin? Gibt es einen Sinn? Was ist Glück? Wer bin ich eigentlich? Was liegt diesem Alltags-Ich, mit dem ich in der Welt funktioniere, zugrunde?

Bevor ich nicht weiß, wer ich bin, wo ich herkomme und hingehe und worum es im Leben geht, hilft nichts wirklich. Tröstliche Erklärungen, Antworten und Erfahrungen anderer ändern daran ebenso wenig wie unsere Wiederherstellung durch Medizin und Psychotherapie.

Ist das Ego ein illusionäres Gefängnis, aus dem erst die Erleuchtung befreit? Oder ist das »geglückte Welt-Ich« (Dürckheim) der Sinn des Lebens? Zwischen diesen beiden Extremen bewegen sich die meisten Einschätzungen zur menschlichen Wirklichkeit. Das Credo des westlichen Ego ist der »Pursuit of Happiness«, der amerikanische Traum vom Streben nach Glück. Das Credo der östlichen Weisheitstraditionen hingegen ist die Auflösung im Einen; mit ihrem »Du bist das!« weisen sie auf die illusionäre Natur unserer Ich-Konzepte hin. Bleiben diese Einstellungen auf ewig Feinde? Oder können wir das Beste beider Welten zusammenbringen?

Integration der Gegensätze

Eine Zauberformel unserer Zeit ist die Integration der Gegensätze, die Osho, einer der großen spirituellen Lehrer des 20. Jahrhunderts, mit seiner Vision von »Zorbas, der Buddha« beschreibt – einer Synthese des lebenslustigen Griechen und des erhabenen Weltenüberwinders. Sie ist mit einer Zumutung verbunden: Zorbas, der Weltmensch, ist erdig und weinselig; Buddha, der Erwachte, ist weltfern vergeistigt. Beide müssen etwas aufgeben, um eins zu werden.

Aus dem Leiden an der Welt wächst die Sehnsucht nach Befreiung. Ihr erstes Stadium ist erreicht, wenn seelisches Leid sich plötzlich auflöst. Doch hier endet der Weg nicht. Er führt zurück in die Welt der Gegensätze, die wir nun annehmen, statt ihr zu entfliehen. Wer sich dieser Herausforderung stellt, wählt keinen leichten Weg. Aber er lohnt sich, denn statt süß zu träumen und bitter aufzuwachen, lernen wir zwischen den Polaritäten zu stehen. So entwickelt sich allmählich ein bewussteres Ich, das als wache Präsenz persönliche und überpersönliche Ebenen unseres Daseins jongliert.

Solange wir uns ein für alle mal befreien und »falsche« durch »wahre« Selbste ersetzen möchten, bekämpfen wir uns selbst.

Ein wichtiger Schritt zur Versöhnung mit sich, ist die Würdigung aller Aspekte unseres Menschseins. Dann nehmen wir auf entspanntere Weise am Leben teil. Frei von Sendungsbewusstsein und missionarischem Eifer fühlen wir uns ganz praktisch verantwortlich für den Garten Erde, den wir bewohnen. Im Verzicht auf alles Grandiose sind es nun die einfachen täglichen Aufgaben, an denen wir wachsen.

Klaus P. Horn

Dr. Klaus P. Horn, geboren 1953, sammelte umfangreiche Erfahrungen in menschlichen Veränderungsprozessen von der Sozialarbeit bis zur internationalen Managementberatung, von Meditation und spiritueller Therapie bis zur ganzheitlichen Personal- und Organisationsentwicklung.

Seit Anfang der 70er Jahre beschäftigt er sich mit systemischen Ansätzen. Mitte der 70er ging er nach Indien und wurde 1976 Osho-Sannyasin. Zugleich studierte er weiter Methoden der abendländischen Wissenschaft und promovierte in Psychologie.

Auch während er zahlreiche Ausbildungen in Methoden der Humanistischen Psychologie und systemischen Therapie durchlief, blieb Meditation und innere Entwicklung die erste Priorität. Heute arbeitet er als persönlicher Coach und als Trainer und Berater für Organisationen und Unternehmen sowie in der Aus- und Weiterbildung von Coaches und Trainern.

Klaus Peter Horn bietet ein Training in „Spirituellem Coaching“ an der UTA Akademie in Köln an.

Weitere Informationen

UTA Akademie
Venloer Str. 5-7, 50672 Köln
Tel. 0221-933 334-0
www.uta-akademie.de  oder
www.horncoaching.de
 

Quelle: BALANCE 2/2008

 

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