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Homöopathie für Tiere

Sanfter Impuls mit großer Wirkung

Hillebrand

Der Einsatz der Homöopathie beim Menschen ist recht verbreitet. Auch als Heilmethode für Tiere gewinnt die Homöopathie stetig an Bedeutung. Wie beim Menschen kann auch beim Tier die Mittelgabe als Impuls auf den Gesamtorganismus wirken und eine Harmonisierung der Lebenskraft bewirken.

Das Ähnlichkeitsprinzip

Das Wort Homöopathie setzt sich aus den griechischen Worten „homoion“ (das Ähnliche) und „pathos“ (das Leiden) zusammen. Homöopathie bedeutet: das dem Leiden Ähnliche. Schon aus der Bedeutung des Wortes lässt sich die Ausrichtung dieser Behandlungsform erkennen.

Bei einer homöopathischen Behandlung stehen einerseits die individuelle Ausprägung der Erkrankung, andererseits die Individualität des Patienten mit all seinen Eigenschaften, Vorlieben und charakteristischen Merkmalen im Vordergrund. Die Aufgabe des Homöopathen besteht darin, dieses Gesamtmuster – aus der spezifischen Ausprägung der Erkrankung und der Individualität des Patienten – zu erkennen.

Die Homöopathie hat ihre Wurzeln in den Publikationen des deutschen Arztes Samuel Hahnemann. Getreu dem Leitsatz der Homöopathie „Similia similibus currentur“ (Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt) gibt es in der Homöopathie nicht ein Mittel gegen eine bestimmte Erkrankung, sondern ein Mittel, das in seinem Gesamtspektrum zu dem Spektrum der individuellen Eigenschaften und Erkrankungsmuster des jeweiligen Patienten passt.

Ein Beispiel: Eine Vogelhalterin war gemeinsam mit ihrer Gruppe von Wellensittichen in ein größeres Haus gezogen. Die Vögel hatten dort unbegrenzten Freiflug und viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Ideale Haltungsbedingungen also, dennoch hatte sich ein Wellensittichmännchen seit dem Umzug verändert. Es zog sich zurück und wendete sich sogar ab, wenn ein anderer Vogel Kontakt zu ihm aufnehmen wollte. Es wirkte traurig, fraß wenig und ohne sichtlichen Appetit. Die Besitzerin war ratlos.

Nach dem Ähnlichkeitsprinzip bekam der Vogel ein Mittel, das ihm in seiner aktuellen Situation ähnlich ist. Um die Behandlung für diesen Vogel so angenehm wie möglich zu gestalten, lösten wir drei Kügelchen des individuell gewählten Mittels in etwas Wasser auf und sprühten ihn einmalig behutsam mit Hilfe eines Blumensprühers an. So konnten wir dem Wellensittich das Mittel zukommen lassen, ohne ihn durch Fangen zusätzlich in Stress zu versetzen.

Am nächsten Tag meldete sich die Besitzerin und erzählte, dass ihr Wellensittich nun wieder vermehrt fliege, munter zwitschere, mit offensichtlichem Appetit fräße und wieder wie vor dem Umzug in die Gruppe der Wellensittiche integriert sei. Eine weitere Behandlung war nicht erforderlich.

Die Arzneimittelprüfung

Ein Mittel wirkt homöopathisch, wenn es das Leiden, welches es bei einem kranken Lebewesen heilt, bei einem Gesunden hervorrufen kann. Um die Wirkungen erforschen zu können, werden freiwillige Arzneimittelprüfungen durchgeführt. Dabei nehmen gesunde Menschen ein ihnen unbekanntes Mittel ein und protokollieren jede Veränderung, jedes Symptom und jede Auffälligkeit, die sie nach Einnahme des Mittels erleben.

Wenn sich dabei bestimmte Auffälligkeiten oder Symptome häufen, werden sie in die „Materia medica“, ein Nachschlagewerk Homöopathischer  Arzneimittel und ihrer Eigenschaften, aufgenommen.

Die Auffälligkeiten und Besonderheiten, die wir bei einem Tier in Erfahrung bringen können, führen im Umkehrschluss zu dem Mittel, das der Gesamtheit der Symptome dieses individuellen Tieres am ähnlichsten ist.

Ein Mittel sollte nur dann eingesetzt werden, wenn es wirklich zur individuellen Situation passt. Bei der mehrfachen Gabe eines unpassenden Mittels erfährt das Tier eine unfreiwillige Arzneimittelprüfung. Ein Beispiel dazu: Von einer aufgeregten Tierhalterin wurde ich um einen dringenden Hausbesuch gebeten. Ihr Pony verhielte sich vollkommen verändert. Am Vortag sei noch alles gut gewesen, aber heute sei es sehr gereizt. Sie befürchtete eine Kolik. – Bei meinem Hausbesuch fand ich einen gereizten Wallach vor, der auf jegliche Untersuchung mit massiver Gegenwehr reagierte. Ich kannte dieses Pony bisher als ausgesprochen freundlich und umgänglich. Daher war es für mich besonders bemerkenswert, dass es beim Untersuchen der Maulschleimhaut senkrecht neben mir stieg. Es stellte sich heraus, dass das Pony wahrscheinlich eine ganze Menge Hahnenfuß auf der Weide gefressen hatte und in Folge dessen eine Kolik hatte.

In der Homöopathie spielen neben körperlichen Symptomen immer auch die aktuellen Veränderungen im Verhalten eine maßgebliche Rolle beim Finden der passenden Arznei. Die individuellen Symptome der Kolik des Ponys, die Vergiftung durch den Hahnenfuß und die auffällige Veränderung des Charakters passten in ihrer Gesamtheit auf ein bestimmtes homöopathisches Mittel.

Die Besitzerin gab es dem Pony in Abständen von zehn Minuten dreimal. Danach entspannte es sich zusehends. Die Verdauung normalisierte sich.

Zum Abend hin wurde der Wallach wieder etwas unruhiger und erhielt eine weitere Gabe des Mittels. Am nächsten Tag war alles in Ordnung und das Pony wieder so freundlich und umgänglich, wie ich es kannte. Eine weitere Behandlung war nicht notwendig.

Das Wirkungsspektrum

Ein weiteres Beispiel zeigt sehr schön, dass das passende Mittel eine Wirkung auf das ganze Tier mit all seinen aktuellen Befindlichkeiten hat. Ein gezielter Impuls – die Einnahme des passenden Mittels – verändert ein breites Spektrum an Symptomen und Empfindungen des Patienten:

Ein Kaninchen hatte immer wieder Bindehautentzünungen. Die gingen zwar unter Behandlung weg, kamen jedoch immer wieder. Ich fragte nach den Besonderheiten dieses Kaninchens und ließ mir erzählen, was es besonders gern frisst und ob mir die Besitzer eine Anekdote zu diesem Tier erzählen könnten. Sie waren zunächst irritiert, denn sie hatten mich ja wegen der Augenprobleme gerufen.

Ich sprach über das Ähnlichkeitsprinzip und erläuterte, dass ich das Kaninchen in seiner Gesamtheit unterstützen wolle. Die entzündeten Augen zeigten an, dass sich die Lebenskraft des Tieres in Disharmonie befinde. Ich erwähnte ebenfalls, dass ich den Wunsch hätte, ein passendes Mittel zu finden, um die Lebenskraft wieder harmonisch schwingen zu lassen.

Das fanden die Besitzer interessant und erzählten. So erfuhr ich, dass das Kaninchen bereits zweimal Mutter gewesen sei und sich jedes Mal sehr gut um die Jungtiere gekümmert hätte. Sie hätte nach Abgabe der Jungtiere immer sehr traurig gewirkt, ganz anders als das Kaninchen ihrer Nachbarn, das eher erleichtert gewesen sei, wenn die Jungtiere nach und nach weggegeben wurden.

Das Kaninchen ließ sich gern von mir streicheln. Das Sekret aus den Augen sei immer gelb, erfuhr ich, jetzt sei es nur wenig, weil die Augen gerade erst gereinigt worden wären. Ich fragte, wann die Augenentzündung aufgetreten sei, und die Besitzer berichteten, dass sie während der Trächtigkeit nie aufträte, aber jedes Mal, wenn die Jungtiere weggegeben würden.

Das Tier sei vor der ersten Trächtigkeit mehrfach scheinträchtig gewesen. In diesen Phasen habe es immer ein Nest gebaut und zwei Mal sogar Milch gebildet. Nachdem es gegen die Scheinträchtigkeit behandelt worden sei, habe es zum ersten Mal eine Augenentzündung bekommen.

Dieses Zusammenspiel der charakterlichen Merkmale, insbesondere zum Thema Mutterschaft, dem Zeitpunkt der Bindehautentzündung und der Beschaffenheit des Sekrets passen sehr gut in das Wirkungsspektrum eines speziellen homöopathischen Mittels. Das Kaninchen bekam dieses Mittel in Wasser gelöst für drei Tage zur freien Verfügung. In den nächsten Tagen ging die Entzündung immer weiter zurück. Je mehr die Augen heilten, desto weniger Interesse hatte das Tier an der Wasserschale mit dem Mittel. Als nach einigen Wochen noch einmal eine Augenentzündung begann, bekam es dieses Mittel sofort wieder in einer einmaligen Gabe. Seither ist keine weitere Entzündung der Augen mehr aufgetreten. Sollte dieses Kaninchen noch einmal eine Scheinträchtigkeit entwickeln, wäre die Gabe des Mittels wiederum angezeigt.

Die Wahl des Mittels bezog sich nicht auf die Diagnose Bindehautentzündung oder Scheinträchtigkeit, sondern auf die individuellen Besonderheiten der Patientin, die mich das Mittel finden ließen, welches sich aufgrund seiner Wirkung als passend herausstellte.

Zusammenfassung

Es gibt in der Homöopathie kein Mittel, das pauschal gegen eine Krankheit oder eine Befindlichkeit wie z.B. Heimweh, Bauchschmerzen oder Augenentzündungen wirkt. Das Mittel sollte stattdessen immer zur Gesamtheit des Tieres passen. Das betrifft sowohl die akuten Symptome wie auch die individuellen Eigenschaften von Erkrankung und Tier. Dann geht die Wirkung über ein kurzfristiges Verschwindenlassen der Symptome hinaus und ermöglicht einen langfristigen Gewinn an Lebenskraft, Lebensfreude und Gesundheit.

Tina Hillebrand

 

Die Autorin ist Tierheilpraktikerin und Tierkommunikatorin und gibt ihr Wissen im gesamten deutschsprachigen Raum  in Seminaren und Vorträgen weiter.

Weitere Informationen unter

Tel. 0 20 54 - 87 41 20
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