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Sterbebegleitung für Tiere

Denn Sterben heißt Leben bis zuletzt

Die meisten Tiere haben eine wesentlich kürzere Lebensspanne als wir Menschen. Wenn wir uns auf ein Leben mit Tieren einlassen, dann gehört auch der Prozess des Sterbens und des Abschied Nehmens immer wieder dazu.

Ein erfülltes Leben lässt sich nicht an der Anzahl der Jahre festmachen. Doch wir können der Qualität des gemeinsamen Lebensweges dadurch Ausdruck verleihen, dass wir unserem Tier auch im Sterben ermöglichen, seine Interessen und Bedürfnisse zu erfüllen.

Warum Sterbebegleitung?

Sterbebegleitung, damit jedes Tier nach seinem Wunsch, in seiner Zeit, mit der seinerseits gewählten Begleitung die Seiten wechseln darf. Denn Sterben heißt Leben bis zuletzt. Sterben ist kein Fehler, sondern der unausweichliche, letzte Teil des Lebensweges. Vom Moment unserer Zeugung an, ganz gleich, ob Mensch, Tier oder Pflanze, altern wir. Von Oscar Wilde ist dieses sprachliche Bild überliefert: „Alt werden wir alle nicht, wir werden nur älter. Und wenn wir aufhören älter zu werden, fangen wir an zu verwittern.“

Tierhalter als Sterbebegleiter

Menschen, die mit Tieren leben, tun dies in der Gewissheit, dass sie in aller Regel ihre Tiere überleben. Wenn wir uns auf ein Leben mit Tieren einlassen, dann gehört auch der Prozess des Sterbens und des Abschied Nehmens immer wieder dazu.

In der Praxis beobachte ich, dass die meisten Tierhalter sich darüber Sorgen machen, dass sie versäumen könnten, während dieses Prozesses etwas für ihr Tier zu tun. Sie fühlen sich häufig überfordert. In dieser Phase ist es für mich wichtig herauszubekommen, was Tier und Halter brauchen. Die individuelle Unterstützung des Menschen und das ehrliche Beantworten aller aufkommenden Fragen sind meiner Erfahrung nach genauso wichtig wie die Behandlung des Tieres.

Die Behandlung mit Hilfe der Homöopathie erfolgt immer im Interesse des Tieres und als Begleitung des Sterbeprozesses, um dem Tier diese Zeit zu erleichtern.

Die meisten Tiere stellen irgendwann das Fressen ein. Bevor jedoch dieser Zeitpunkt erreicht ist, lassen Sie die Tiere in dieser Phase ruhig zu sich nehmen, was immer sie wollen. Denn solange die Tiere noch fressen, sind sie in aller Regel noch nicht bereit zu gehen. Mit dem Einstellen des Fressens bereiten sie sich auf den nächsten Schritt vor.

Sie dürfen über den gesamten Prozess auch auf sich und Ihre eigenen Bedürfnisse achten: Sterbebegleitung ist anstrengend und zehrend. Essen und trinken Sie selbst genug.

Loslassen

Damit Ihr Tier in seiner Zeit die letzte große Reise seines Lebens antreten kann, dürfen Sie Ihr sterbendes Tier freigeben und es in Liebe loslassen. Vom gesprochenen „Du darfst gehen, wenn es für dich an der Zeit ist. Du bist frei zu gehen“, braucht es oft ein wenig Zeit, bis der Tierhalter sich wirklich erlaubt, von ganzem Herzen und seiner ganzen Überzeugung loszulassen. Jetzt darf der Tierhalter zum Tierbegleiter werden. Gestehen Sie ihrem Tier die Entscheidung zu, dass es weiß, was es braucht. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Unterstützen Sie Ihr Tier, aber drängen Sie ihm nichts auf. Ihr Tier kann sterben und Sie haben die Chance, viel für ihr eigenes Leben und Sterben lernen.

Geschenkte Erlebnisse

Das Erinnern an die schönen gemeinsamen Momente unterstützt den Prozess auf sanfte Weise: Ein gemeinsames Rennen über eine Wiese im Morgennebel, ein gemeinsames Ruhen im Schatten eines großen Baumes im Hochsommer oder das gemeinsame Toben im Schnee des letzten Winters.

All diese geschenkten Erlebnisse helfen uns, in dieser besonderen Situation die Gedanken zu beruhigen. Wir dürfen uns vieler schöner Augenblicke erinnern und dafür dankbar sein. Die Dankbarkeit ist eine wunderbare Wegbegleiterin für diese Reise.

Der Umgang mit dem Sterben

Sterben ist ein natürlicher Prozess und niemals ein Fehler des Sterbenden, ganz gleich in welchem Alter. Ein erfülltes Leben lässt sich nicht an der Anzahl der Jahre auf Erden festmachen. Wenn es an der Zeit ist zu sterben, hilft es allen Beteiligten, sich der Tatsache zu stellen, dass der letzte Abschied bevorsteht.

Es geht jetzt einzig darum, dem geliebten Tier diese Reise so angenehm wie möglich zu machen. Die meisten Tiere genießen die Ruhe und die Qualität des Beisammenseins während dieser letzten Lebensphase sehr. Sie schlafen viel und wissen genau, was ihnen gut tut.

So gibt es zum Beispiel einige Hunde, die ihr Leben lang gerne weich und warm gelegen haben, doch in dieser Lebensphase ziehen sie es vor, mit dem Bauch auf kühlen Fliesen zu liegen. Wenn Ihr Tier in dieser Phase augenscheinlich gezielt einen bestimmten Platz aufsucht oder eine ungewöhnliche Liegeposition einnimmt, lassen Sie es gewähren.

Was Sie noch tun können

Wenn Ihr Tier Durst hat, halten Sie ihm das Wasser so hin, dass es im Liegen trinken kann. Wenn es friert, so decken sie es zu. Wenn es sich bei geöffnetem Fenster besser fühlt und leichter atmen kann, lassen Sie das Fenster geöffnet. Das individuelle Bedürfnis ist das Wesentliche. So wie das Leben eines jeden Wesens besonders und einzigartig ist, ist es auch das Sterben. Achten Sie auf die individuellen Bedürfnisse Ihres Tieres. Nehmen Sie sich Zeit und erlauben Sie sich das Wunder des Übergangs zu erleben. Die konkreten Bedürfnisse lassen sich beispielsweise durch die Tierkommunikation klären. Oft sind es Kleinigkeiten, die diese Lebensphase erleichtern.

Ein Beispiel aus der Praxis: Ich durfte einen Hund begleiten, der in den letzten Tagen seines Lebens des Nachts unruhig durch die Wohnung wanderte und trotz körperlicher Erschöpfung keine Ruhe fand. Neben der Gabe eines individuell gewählten homöopathischen Mittels hatte der Hund einen Wunsch: Er wünschte sich, dass nachts immer ein kleines Licht brenne. Diesem Wunsch kamen die Hundehalter gerne nach. In der folgenden Nacht konnte der Hund und damit auch seine Menschen friedlich schlafen.

Tierkommunikation in der Sterbebegleitung

Über die Tierkommunikation ist es möglich, ganz konkrete Bedürfnisse und Wünsche eines Tieres zu erfahren. So kann das Tier ganz in seinem eigenen Interesse betreut und behandelt werden. In meiner Praxis habe ich erlebt, dass eine Katze sich wünschte, mit einem Lammfell zugedeckt zu werden. Als sie ihr altes Lammfell als Zudecke bekam, wurde sie wieder ruhig und schlief ein. Als junge Katze hat sie auf diesem Fell geschlafen. Diese Katze war nie zuvor zugedeckt worden.

Noch ein Fall aus meiner Praxis: Ein Wellensittich wollte gern in der Hand seiner Besitzerin in den Garten getragen werden und wünschte sich, danach dort frei auf dem Boden liegen zu dürfen. Er genoss diese nie zuvor erlebte Freiheit sehr und ist kurze Zeit später ganz leicht in der Hand seiner Besitzerin gestorben.

Gedanken zum Prozess des Sterbens

Geboren werden und Sterben gehören zu einem großen Kreislauf. Beide Ereignisse sind Momente in unserem Leben, an denen wir wachsen und reifen können. Beides sind Prozesses des Lebens, die nach ihren eigenen Regeln verlaufen.

Die Geburt ist die erste und das Sterben die letzte Aufgabe, die das große Abenteuer eines jeden Lebens für uns alle bereit hält. Wer ein geliebtes Wesen beim Sterben stützen, begleiten und loslassen darf, hat die wunderbare Möglichkeit, sich auf die Erfahrung einzulassen, das Erleben von Abschied, Sterben und Trauer ganz neu kennen zu lernen.

Meiner Erfahrung nach erleichtert es das erfüllte Weiterleben, wenn dieser Weg gemeinsam gegangen wurde. Sie konnten erleben, wie das geliebte Wesen – egal ob Mensch oder Tier – Abschied vom Leben genommen hat.

Sie konnten wissentlich Abschied nehmen. Sie konnten es bewusst gehen lassen. Und jetzt können Sie bewusst weiterleben und das Geschenk der gemeinsamen Zeit und Erfahrung nutzen. Genießen Sie das Wunder des Lebens.

Tina Hillebrand
Tierheilpraktikerin und Tierkommunikatorin

Weitere Informationen unter

Tel. 0 20 54 - 87 41 20
post@tiere-anders-behandeln.de
www.tiere-anders-behandeln.de

 

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