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Schwache Männer ... starke Frauen?

Vom Unverständnis zwischen den Geschlechtern

Wann ist ein Mann ein Mann? fragt nicht nur Herbert Grönemeyer. Mit ihm fragen sich dies mehr und mehr Männer und auch Frauen. Männer sind durch Frauen verunsichert, die angefangen haben sich zu bewegen: raus aus der Opferrolle, raus aus dem Kuschen und Leiden, wie es die Mütter noch taten, sich besinnend auf die eigenen Kräfte. Im Außen braucht heute keine Frau mehr einen Mann, um zu überleben – auch nicht mit Kindern. Seit zwei Jahrzehnten dominieren nicht mehr Witze über Frauen, insbes. Blondinen, nein, es sind vorwiegend die Männer, die durch den Kakao gezogen werden als Witzfiguren: ein bisschen deppert, schwanzgesteuert, gefühllos, hirnlos, aggressiv; im Kopf vor allem Frauenkörper, Autos, Sport und ihre Arbeit. Eine Kostprobe gefällig?

Als Gott Adam und Eva geschaffen hatte, hatte er noch zwei Sachen, die er ihnen geben wollte. Gott sagte: „Ich habe noch zwei Geschenke für euch, jeder von euch bekommt eines davon. Das eine ist stehend pinkeln zu können...“ Adam unterbrach ihn: „Ich will, ich will es haben. Es wäre richtig nett und mein Leben wäre so viel leichter und lustiger!!“ Dann schaute er zu Eva und Eva nickte und sagte: „Ja, warum nicht, es ist für mich nicht so wichtig.“

Also gab Gott Adam dieses Geschenk. Adam schrie vor Freude, hüpfte herum und pinkelte mal hier, mal dort, rannte zum Strand, pinkelte auch dort und bewunderte die Muster, die er in den Sand gemacht hatte. Gott und Eva schauten sich Adams Freude an und Eva fragte Gott: „Und das zweite Geschenk, dass du uns geben wolltest...?“ „Das Hirn, Eva, das Hirn.“

Frauen auf der Suche nach sich selbst

Über solche Witze lachen nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Galgenhumor oder eine Leistung, auch über sich selbst lachen zu können.

Nachdem sich viele Frauen aufgemacht haben zu einem neuen Selbstverständnis, zu mehr Freiheit und wirtschaftlicher Unabhängigkeit, vor allem aber zur Beschäftigung mit sich selbst in unzähligen Seminaren zur Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis, sind Männer weitgehend stecken geblieben in ihren alten Männlichkeitsprogrammen des „Ich muss /ich will es schaffen!“ und sterben im Schnitt acht Jahre früher als Frauen. Männer wollen immer noch durchhalten, das haben sie gelernt in ihrer Erziehung zum Mann, die vorwiegend durch Mütter geschah. Die Väter sind bis heute weitgehend abwesend, wenn nicht physisch, dann psychisch. Und die Erziehung von Jungen ist auch heute noch geprägt durch den Gedanken der Konkurrenz mit anderen Männern, des Kampfes um ein Ziel. Männer wollen und sollen gewinnen, egal was. Dabei gehen sie früh drauf.

Männer sind nicht schwächer als Frauen, aber sie können ihre Schwäche nicht zeigen und nicht zu ihrem Schwach-Sein stehen. Sie haben bis heute nicht gelernt, Emotionen wie Angst, Unsicherheit, Ohnmacht, Minderwertigkeit usw. zuzulassen oder zu zeigen. Für die meisten Frauen ist dies kein Problem. Aber auch mit seiner Aggression, seiner Wut, seinem Ärger und Hass hat der Mann nach wie vor seine Probleme. Er weiß nicht, wie er sie ausdrücken soll, ohne zu zerstören und zu verletzen. Mit seiner nach außen projizierten Aggression hat der Mann seit ein paar tausend Jahren getötet, vergewaltigt, zerstört – Frauen und vor allem Männer und auch Mutter Erde. Die Schuld­-gefühle hierüber sitzen tief. Wird Aggression aber nicht gezeigt und bejahend gefühlt, sondern verurteilt, geht sie nach innen und zerstört den Menschen. Krankheit und früher Tod sind die Folgen.

Eine harmonische Beziehung beginnt in jedem selbst

Wir sind heute an einem Punkt angekommen, an dem sich mehr und mehr Frauen wie auch Männer nach einem neuen, einem friedlichen Verhältnis zwischen Frau und Mann sehnen. Dieses Verhältnis kann nur entstehen im Innern jeder Frau und jedes Mannes, durch ein neues Verständnis von sich selbst und dem anderen.

Indem wir den anderen verurteilen, verurteilen wir uns selbst

Die Verurteilung der Männer durch Frauen und die der Frauen durch Männer steht letztlich für eine Verurteilung der eigenen männlichen wie weiblichen Energien in jeder Frau und jedem Mann. Bis heute ist immer noch wenigen bekannt, dass sich in jedem von uns sowohl eine innere Frau wie ein innerer Mann befinden, die innere Verkörperung unserer männlichen wie weiblichen Energien. Diese inneren Personen sehnen sich danach, von uns wahrgenommen zu werden in ihrer Befindlichkeit. Sie sehnen sich nach unserer Aufmerksamkeit und Liebe. Es wird Zeit, dass wir aufmerksam dafür werden, auf welche Weise wir im Leben unsere männlichen wie weiblichen Energien leben und ausdrücken. Beide stehen jedem Mann und jeder Frau zur Verfügung und wollen gewürdigt und gelebt sein. Hierfür fehlt es den meisten schlicht an Wissen.

Ebenso befindet sich in jedem Mann ein kleiner verletzter Junge, in jeder Frau ein kleines verletztes Mädchen. Solange wir uns nicht selbst liebevoll dieser alten Verletzungen unserer Kindheit und des kleinen Kindes in uns annehmen, kann unser Verhältnis zum Partner nicht im Frieden sein. Und solange der innere Frieden nicht da ist zwischen jeder Frau und ihrem Vater der Kindheit und jedem Sohn und seiner Mutter der Kindheit, wird der Erwachsene in dieser Verstrickung mit seinen Eltern stecken bleiben. Der Mann sucht dann in seiner Frau nach wie vor die Liebe seiner Mutter, die Frau die Liebe ihres Vaters. Dies trifft nicht nur für wenige zu, sondern für fast alle.

Was wir in der kommenden Zeit überwinden müssen zwischen den Geschlechtern ist der Gedanke der Trennung und Verurteilung. Jede Trennung zwischen Männern und Frauen ist nicht wirklich, ist nur scheinbar wie die Trennung zwischen allen Menschen. Wer nach wie vor den anderen – den Mann oder die Frau – verurteilt, versteht nicht, wie sehr er im Unfrieden ist mit sich selbst. Wer Frieden und Erfüllung sucht mit einem Partner, wird sich auf den Weg machen dürfen, mehr über sich selbst und sein Inneres zu erfahren. Wir haben uns alle im Laufe von Kindheit und Jugend selbst für so vieles verurteilt und haben es dann vergessen. Diese Wunde will heilen. Der Weg zu dieser Heilung heißt Übernahme der Verantwortung für diese Selbst-Verurteilungen und Vergebung. Sich selbst zu vergeben ist der erste Schritt in die Liebe zu sich selbst. Die Liebe zu sich selbst ist die Grundlage zum Glück in jeder Partnerschaft. Denn der größte Irrtum, unter dem jede Partnerschaft leidet, ist der Glaube, der andere könne und müsse dir Liebe und Anerkennung schenken. Dafür ist der andere jedoch nicht zuständig, sondern immer nur du selbst. Und niemand wird vom anderen mehr Liebe erhalten bzw. annehmen können, wie er sich selbst zu schenken in der Lage ist.

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Büro Robert Betz
Sonnenstr. 1
80331 München und
www.robert-betz.de

 

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