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Paarberatung

Dem Glück eine Chance geben statt der Liebe davonlaufen

Unsere Partner sind nicht dazu da, um uns glücklich zu machen.
(Liz Greene, Psychologin u. Astrologin)

Wer diese Botschaft begriffen hat, kann in seiner Paarbeziehung echte Harmonie erleben. Wo statt gegenseitigen Erwartungen Verständnis und Toleranz vorherrschen, gibt es weniger Druck und Enttäuschung und mehr Entspannung, Offenheit und Freiheit. Auf einem solchen Nährboden entfaltet sich Liebe.

Solange wir den anderen für unser Glück oder Unglücklichsein verantwortlich machen, scheitern wir. Jeder Versuch, den Partner zu bewerten, zu verändern oder zu unseren Zwecken zu manipulieren, blockiert die Liebe. Wir selbst sind zuständig für unser eigenes Glück und es liegt allein in unserer Hand, wie wir unser Leben und unsere Beziehungen leben.

Jeder Mensch will geliebt werden. Wenn wir diesen Anspruch für uns jedoch nicht als oberste Priorität setzen, sondern uns statt dessen bemühen, unsere eigene Liebesfähigkeit auszubauen, haben wir eine unglaubliche Chance, im Leben wirklich glücklich zu werden.

Beziehungskrisen als Chance

Wer Beziehungskrisen als Chancen verstehen und annehmen kann, wird sich entwickeln und zum Wachstum des Partners beitragen – vorausgesetzt dieser ist einverstanden. Wir alle haben unsere Lektionen im Leben zu lernen. Durch Krisen – übrigens nicht nur in der Partnerschaft, werden wir auf uns selbst zurück geworfen. Wir werden so lange mit unseren Schatten konfrontiert, bis wir die Lektion gelernt haben.

Die spirituelle Paarberatung basiert auf solchen Annahmen und Erklärungsversuchen. Sie bietet sich an für Paare, die sich im Rahmen ihres Coachings auf spirituelle Aspekte einlassen wollen. Wichtige Voraussetzung ist, wie bei jeder Therapie, den passenden Berater oder die richtige Beraterin zu finden, die das Paar gemäß seinen Bedürfnissen begleiten.

Verbindlichkeit ist out

Wenn wir das Paar als Zukunft der Gesellschaft betrachten, sieht unsere Zukunft eher düster aus. Jede zweite Ehe in Deutschland wird geschieden. Die emotionale Bedürftigkeit zahlreicher Scheidungskinder, die materielle Not vieler Alleinerziehender sowie zerfallende Familiengefüge sprechen für sich. Es besteht dringender Handlungsbedarf, und der darf nicht global ansetzen, sondern bei der Stärkung und Unterstützung der kleinsten Einheit unserer Gesellschaft: beim Individuum, bei der Zweierbeziehung, in der Familie.

Mittlerweile finden sich Paare zu Lebensabschnittsgemeinschaften an Stelle von Gemeinschaften fürs Leben. Verbindlichkeit ist out. Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung, Spaß um jeden Preis und Ich-will-haben gelten als elementare Forderungen, wenn es um die Bedürfnisbefriedigung des Einzelnen geht. Wer oder was dabei auf der Strecke bleibt, ist nebensächlich. Fatal ist, dass diese Zielvorstellungen auch mit in die Partnerschaft übernommen werden.

Codexe und Lebensgrundlagen wie „bis dass  der Tod euch scheidet“ oder „in guten wie in schlechten Zeiten“, die sich auf das Paar als Gemeinschaft beziehen, haben scheinbar ihre Bedeutung verloren.

Unsere Welt ist schnelllebig und oberflächlich, laut, spektakulär und exhibitionistisch geworden. Von Achtsamkeit, Tiefgang und Intimsphäre kaum eine Spur. Dieser Zeitgeist durchweht auch die Beziehungswelt.

Stars und Sternchen machen es uns vor, und die Masse nimmt genüsslich Anteil: Blitzhochzeiten und Traumhochzeiten am Fließband. Dieselben Paare veranstalten oft nur kurze Zeit danach Rosenkriege und Beziehungs-Schlammschlachten.

Auch im privaten Bereich findet man eine solche Hire and fire-Mentalität in der Ehe immer öfter. Bei den ersten Meinungsverschiedenheiten wird die Beziehung in Frage gestellt und schlimmstenfalls ihr Todesurteil verkündet.

Hop oder top – wenn etwas nicht passt, wird es kurzerhand hingeschmissen: Das mache ich nicht mit! So habe ich mir das nicht vorgestellt! Am Anfang warst du ganz anders!

Am Anfang warst du ganz anders!

Das stimmt! Am Anfang sind Mann und Frau wirklich ganz anders. Die rosarote Zeit des Verliebtseins ist ein Ausnahmezustand, der fast manischen Charakter hat: man braucht nicht mehr zu schlafen, man lebt von Luft und Liebe, die Hormone spielen verrückt, man zeigt sein allerschönstes Sonntagsgesicht und nimmt beim Partner – vor Liebe blind – nur die Schokoladenseite wahr. Seine Macken sind liebenswert oder sexy, man will und liebt ihn genauso wie er ist, das Leben ist wie ein Traum.

Die verliebte Hoch-Zeit dauert meist so lange an, bis die kalte Dusche des Alltags eine Menge Illusionen hinweg spült: plötzlich erscheinen die Macken des Partners nicht mehr so liebenswert, die Schokoladenseite schmilzt dahin und übrig bleiben die „wahren“ Gesichter. Dann ist das „Lieben“ gar nicht mehr so einfach.

Obwohl es kein  Geheimnis ist, dass die verliebte Phase vorübergehender Natur ist, halten viele Paare an dem Irrglauben fest, die Euphorie müsse ein ganzes Leben lang anhalten. Wenn diese Scheinwahrheit bröckelt, steigt das Bestreben, den Partner ändern zu wollen. Gleichzeitig werden die Anforderungen des täglichen Lebens total unterschätzt und Alltagspflichten und -nöte herab gespielt oder ignoriert. Was bleibt, sind Enttäuschung, Schuldzuweisung, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Latente Frustration bis hin zu Hass und Aggression breiten sich aus, und das Ehe-Schiff segelt zielstrebig in Richtung Untergang – wenn das Ruder nicht rechtzeitig herum gerissen wird.

Es ist kein Zufall, in wen wir uns verlieben

Die intime Begegnung mit einem bestimmten Menschen hat etwas mit unserem Lebensplan und der Strategie unseres Schicksals zu tun. Sich verlieben soll der Einstieg sein zu einer tiefen, tragfähigen Beziehung, in der sich Liebe entwickeln kann, die wiederum Grundlage bildet für die Gründung und Entfaltung einer gesunden Familie. Das ist ein Lebens-Auftrag, der ernsthaft und verantwortungsbewusst erfüllt werden will. Zu oft wird dieser Entwicklung keine echte Chance gegeben, weil ihre Wichtigkeit nicht erkannt und ihr dementsprechend der angemessene Raum und die nötige Zeit nicht zugebilligt wird. Liebe ist ein Geschenk, das Aufmerksamkeit und sorgfältige Pflege braucht. In der Praxis erscheint Liebe dagegen als so „selbst­verständlich“, dass es den Menschen überhaupt nicht in den Sinn kommt, sie in Dankbarkeit wertzuschätzen.

Stattdessen bestimmen Ungeduld, unrealistische Erwartungshaltung, überzogene Forderungen und egozentrische Ansprüche die Partnerschaft und reduzieren die Gelegenheit, gemeinsam in Liebe zu wachsen und Entwicklung zuzulassen, auf ein Minimum. Wenn das ICH sich zu breit macht, hat das DU es schwer, zu einem ausgewogenen WIR beizutragen.

Viele Paare sehen die Problematik und erkennen, dass sie alleine nicht weiter kommen. Manche ringen sich dazu durch, sich professionelle Unterstützung zu holen, obwohl sie es peinlich finden, vor andern zugeben zu müssen, dass sie Probleme haben.

Andere lehnen Hilfe von Dritten prinzipiell ab. Sie achten sehr auf ihre perfekte Fassade und vertreten die Ansicht: was innerhalb der eigenen vier Wände passiert, geht niemand was an. Nichts darf ihre heile Welt in Frage stellen. Lieber machen sie gute Mine zum bösen Spiel - um jeden Preis.

Wieder andere Paare sind der Überzeugung, dass sie „das allein hinkriegen“, oder dass ihnen sowieso keiner helfen kann. Vor allem Männer vertreten die Ansicht, dass sie sich doch nicht von irgendeinem „Psycho“ sagen lassen, was sie zu tun haben.

Eine weitere Kategorie ist das Paar, das handfeste Probleme in der Beziehung sorgfältig ignoriert, leugnet, vor sich herschiebt, tabuisiert, beschönigt oder unterschätzt. Das ist oft hochexplosiver Stoff, den die Paare mit sich herum schleppen – ohne es zu ahnen.

Interessanterweise können Paare, die spirituell orientiert sind, leichter zu ihren Problemen stehen. Sie gehen offener damit um und sind eher bereit, an sich selbst und an ihrer Beziehung zu arbeiten.

Die weitreichenden und nachhaltig negativen Auswirkungen von unbewältigten Beziehungsproblemen müssen stärker ins Bewusstsein der Betroffenen gerückt werden. Gleichzeitig ist es erforderlich, über Gegenmaßnahmen aufzuklären und mögliche Lösungswege aufzuzeigen.

Neben der persönlichen Verantwortung des Einzelnen sehe ich hier eine gesellschaftliche Mitverantwortlichkeit – wobei der Verweis an Beratungsstellen nicht ausreicht. Institutionen wie Caritas & Co. sind in der Regel überlaufen, betroffene Menschen warten oft monatelang auf einen Termin. Hinzu kommt, dass die Anzahl der bewilligten Termine deutlich begrenzt ist. Wenn das Problem innerhalb einer Frist nicht geregelt wurde, kommt von den Sozialarbeitern oft nur ein hilfloses Schulterzucken: sie sind an ihre Vorgaben gebunden.

Paarberatung – ob klassisch oder spirituell – muss etabliert werden

Das Angebot an Begleitung, Coaching oder Unterstützung für Paare sollte so selbstverständlich sein wie der Zahnarzt oder Friseur um die Ecke. Paarprobleme bedeuten für das Paar eine Herausforderung, der es sich stellen muss, und die es nicht durch Schuldzuweisungen an Staat und Gesellschaft von sich weisen darf. Menschen müssen dazu angehalten werden,  mit ihren persönlichen Belangen verantwortungsbewusster umzugehen. Dazu gehört auch das Setzen von Prioritäten, wenn es um das Geldausgeben geht. Professionelle kompetente Beratung kostet Geld: Eine Investition, die sich lohnt, vor allem wenn man sie den Scheidungskosten gegenüber stellt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass unsere Beziehungswelt ein großes Stück heiler wäre – und damit unsere ganze Gesellschaft gesünder, wenn Paarberatung so selbstverständlich sein dürfte wie der Jahres-Check beim Arzt oder Supervision im Berufsleben.

Ich will den Paarhimmel nicht nur in dunklen Tönen malen. Die hellen und freundlichen Farben sind auch da. Ehe- und Paarberatung muss ja nicht nur nach einem akuten Ereignis oder in einer bedrohlichen Situation stattfinden. Sie kann auch die Qualität von Sich-etwas-gönnen annehmen.

Es kann hilfreich und wohltuend sein, die Partnerschaft regelmäßig zu pflegen: etwa im Sinne einer Kosmetikbehandlung oder Entspannungsmassage für die Beziehungsseele. So wie wir unserem Körper etwas Gutes tun oder – pardon – unser Auto pflegen, will auch unsere Beziehung gehegt und umsorgt werden.

Den Vergleich mit dem Auto finde ich treffend: wenn der Motor ein verdächtiges Geräusch macht, wird dem umgehend nachgegangen. Vor allem Männer hören sofort die leiseste Veränderung und rennen in die Werkstatt um sie abzuklären.

Zwischenmenschliche Misstöne werden dagegen ganz leicht überhört. Selbst wenn der Ehe-Motor qualmt oder der Beziehungsauspuff kurz vor dem Abfallen ist, wird abgewartet, bis sich die Lage von alleine entspannt … Oder man nimmt sich einen Mietwagen, damit man von der Misere nichts mitbekommt.

Es ist ganz klar möglich, bei Beziehungsproblemen auch ohne Hilfe von außen auszukommen: wenn beide Partner bereit und fähig sind, sich im Gespräch konstruktiv auseinanderzusetzen, sich selbst zu öffnen und den andern wahrzunehmen und anzunehmen wie er ist.

Das Gespräch ist die Grundlage jeder Partnerschaft

Worte sind das Mittel, den anderen zu erreichen und ihm zu zeigen, was sich in unserem Innern abspielt. Mit Worten kann man Gefühle auslösen, die die Seele berühren.

Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb sich viele Männer so schwer damit tun, ihre inneren Regungen zu zeigen und über ihre Gefühle zu sprechen. Frauen sind scheinbar intensiver mit ihrer Seele verbunden, was ihnen den Zugang zu ihren Gefühlen leichter macht. Ausnahmen gibt es natürlich auf beiden Seiten.

Spirituelle Paarberatung schenkt den Seelen mit ihren Verwundungen und  Bedürfnissen besonderes Augenmerk. Das Potential zur Entfaltung der Beziehungsseele trägt das Paar in der Regel in sich selbst. In der spirituellen Begleitung geht es darum herauszufinden, welche neuen oder alten Verletzungen kuriert werden wollen, um Heilwerden zu ermöglichen. Und es geht darum, besser zu erkennen, was das Lebensthema des einen Partners mit dem des anderen zu tun hat. Daraus kann abgeleitet werden, was das Paar braucht, um die Entwicklung des einzelnen sowie das gemeinsame Wachstum wohlwollend und liebevoll zu fördern. Die Wege zu innerer und äußerer Zufriedenheit und Harmonie sind so individuell wie das Paar selbst.

Spirituelle Paarberatung kann ein spannender Prozess sein auf der Reise zu sich selbst

Wenn wir uns vor Augen halten, dass jeder Mensch, der uns auf unserem Lebensweg begegnet, ein „kleiner Buddha“ ist, kann es eine reizvolle Übung sein herauszufinden: Was ist die Botschaft meines Partners? Was will mich die Beziehung lehren? Oder ist es doch nur Zufall, dass wir uns getroffen haben? 

Edit-Marlen Weis

Jahrgang 1961, Sozialpsychologin M.A., Personalentwicklerin, Erwachsenenbildnerin, Mental-Coach. Tätig als Einzel- und Paarberaterin und Kommunikationstrainerin in eigener Praxis „Mental plus“, Psychologische Beratung & Fortbildung, in Mülheim an der Ruhr, Tel. 0208-456 96 86 ; kontakt@mental-plus.info; www.liebeskummer-nrw.info

Um das flüssige Lesen des Textes zu gewährleisten, wurde bei Personenbenennungen die „männliche“ Form gewählt, was in keiner Weise eine Diskriminierung des „weiblichen“ Pendants bedeuten soll.

 

 

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