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Psycho-Physiognomik

Angewandte Menschenkenntnis

„Wir können gar nichts von der Seele sehen, wenn sie nicht in den Mienen sitzt – die Gesichter einer Ansammlung von Menschen könnte man eine Geschichte der menschlichen Seele nennen, mit einer Art von chinesischen Zeichen geschrieben. Die Seele legt, so wie der Magnet den Feilstaub, so das Gesicht um sich herum, und die Verschiedenheit der Lage dieser Teile bestimmt die Verschiedenheit dessen, was sie ihnen gegeben hat. Je länger man Gesichter beobachtet, desto mehr wird man an den sogenannten nichts bedeutenden Gesichtern Dinge wahrnehmen, die sie individuell machen.“

(Georg Christoph Lichtenberg, 1742-1799)

Die Deutung der Gestalt, des Gesichtes und der Ausdrucksformen des Menschen ist eine auf der ganzen Welt verbreitete Kunst, so alt wie die Menschheit selbst. Die Signaturenlehre beispielsweise, die unter anderem Goethe beschrieb (siehe nachstehendes Zitat) bei der uns die Pflanze durch ihre Gestalt etwas über ihre Wirksamkeit in der Naturheilmedizin verrät, wurde von den Indianern schon immer als „The creator`s language“ (des Schöpfers Sprache) bezeichnet. Es handelt sich hierbei um eine Wissenschaft für sich, und um ein kleines Beispiel zu nennen: Ungeschälte Erdnüsse erinnern in Ihrem Aussehen an Finger oder Zehen und Erdnussöl ist ein ausgezeichnetes Mittel gegen rissige Haut an eben diesen Extremitäten. So wie der Schöpfer seine Sprache in den Pflanzen hinterlassen hat, so hat er es überall, auch in uns Menschen.

„Alle Gestalten sind sich ähnlich,
und keine gleichet der andern;
und so deutet das Chor
auf ein geheimes Gesetz,
auf ein heiliges Rätsel... “

Goethe

Die Psycho-Physiognomik ist eine Wissenschaft und Kunst, die uns lehrt, wie wir aus den Körperformen, Ausdruckszonen und der Ausstrahlung des Menschen seine Talente, seine Stärken und Schwächen, seine Bedürfnisse und Fähigkeiten erkennen.
Theologen, Psychologen, Pädagogen und Heilkundige stellen sich die Frage nach diesen seelischen Manifestationen (Psyche ist das griechische Wort für Seele).
Carl Huter, der ein Genie in der Psycho-Physiognomik war, würde in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern und er hat uns ein System hinterlassen, das es uns ermöglicht, nach einem komplexen Merkmalsprotokoll die Projektion der Psyche durch die Gestalt und Ausstrahlung des Menschen zu lesen. Grundlegend für diese Betrachtung ist immer die Naturelllehre:
In der embryonalen Entwicklung entstehen aus den 3 Keimblättern die verschiedenen Organsysteme, die auch mit den entsprechenden seelischen Regungen einhergehen. Jeder Mensch hat natürlich alle 3 Keimblätter, nur in unterschiedlichsten Mischverhältnissen, daher gibt es keine Duplikate, keine zwei Menschen auf der Welt, die gleich sind, auch nicht eineiige Zwillinge.

Ernährungsnaturell

Aus dem äußeren Keimblatt, dem sogenannten Endoderm, entstehen die Verdauungsorgane und das Lungengewebe. Die Natur stellt hiermit die Energie zum Wachsen, zum Nähren, zur Ökonomie zur Verfügung. Wenn dieses Keimblatt dominant ist, hat der Mensch idealtypisch eine runde, massige Gestalt mit einem apfelförmigen Rundgesicht. Er neigt dann zu einer ruhigen ökonomischen Ausstrahlung, wobei er sich immer fragt, ob die Energie, die er in ein Projekt steckt in einem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag steht.

Bewegungsnaturell

Aus dem mittleren Keimblatt, dem sogenannten Mesoderm, entstehen die Knochen, der Bewegungsapparat mit seinen Muskeln und Sehnen, das Herz und die Gefäße. Die Natur stellt hiermit die Energie zur dynamischen Freiheit zur Verfügung. Wenn dieses Keimblatt dominant ist, hat der Mensch idealtypisch eine große, kräftige Gestalt mit langen Extremitäten und starken Muskelpaketen. Idealtypisch hat er ein kantiges Gesicht mit kräftigem Kiefer und großer Nase. Er neigt dann zu einer dynamischen Ausstrahlung mit großer Tatkraft und Bewegungsdrang.

Empfindungsnaturell

Aus dem inneren Keimblatt, dem sog. Ektoderm, entsteht das Nervensystem und die Haut. Die Natur stellt hiermit die Energie zur Reizweiterleitung, zur Reizverarbeitung, zu Ideenreichtum und Kommunikation zur Verfügung. Wenn dieses Keimblatt dominant ist, hat der Mensch idealtypisch eine kleine, feine, zarte Gestalt und einen proportional großen Kopf mit der Form eines auf den Kopf gestellten Eis. Der Mensch hat hier eine vibrierende Ausstrahlung. Er ist immer auf eine kreative Verbesserung der Situation ausgerichtet.

Dies ist die grobe Einteilung der Naturelle. Jeder von uns ist eine ganz individuelle Mischung dieser Naturelle und oftmals stehen zwei der Naturelle im Vordergrund:

Bewegung-Ernährung

Dies sind die mächtigsten Naturelle, die wir haben. Sie paaren die Dynamik der Bewegungsnaturelle mit der Ökonomie der Ernährungsnaturelle und sind somit äußerst robust. Mit ihrer Gestalt vermögen sie nicht selten einen Türrahmen auszufüllen und, je nach Energieniveau, haben Sie hohe Führungsqualitäten.

Ernährung-Empfindung

Sie paaren die Ökonomie der Ernährungsnaturelle mit dem Ideenreichtum der Empfindungsnaturelle. Von allen Naturellen können sie sich am wenigsten abgrenzen. Sie interessieren sich stark für das Wohlergehen ihrer Umwelt und, je nach Energieniveau, fühlen sich andere Menschen in ihrer Gegenwart wohl und erzählen frei heraus von ihren Kümmernissen. In ihrer Gestalt und Form sind sie gleichzeitig fein und zart, aber auch rundlich fleischig, weich.

Empfindung-Bewegung

Von diesen Naturellen hat die Natur seit mindestens 100 Jahren vermutlich die meisten erschaffen. Sie paaren den Ideenreichtum der Empfindungsnaturelle mit der Dynamik der Bewegungsnaturelle. Von allen Naturellen haben sie die meiste innere Unruhe und streben nach der Umsetzung von Ideen. In ihrer Gestalt und Form sind sie gleichzeitig fein und hochgewachsen und ihr Kopf gleicht schematisch einem feinen Kasten. Des Weiteren findet sich die Naturelllehre in jedem Einzelmerkmal des Merkmalprotokolls wieder. Wir nennen hier zwei Beispiele:

Nase und Ohr

Das Naturell der Nase gibt uns beispielsweise Informationen über den Selbstverwirklichungsdrang. An ihr kommt das bewusste Wollen zum Ausdruck. Die idealtypische Nase eines Ernährungsnaturells ist fleischig und hat ihre Betonung im unteren Bereich der Nase.
Die idealtypische Nase eines Bewegungsnaturells ist groß und langgestreckt. Sie hat eine magnetische Ausstrahlung und nicht selten befindet sich ein Höcker auf dem Nasenrücken in einer Zone, die als „motorisches Wollen“ bezeichnet wird.
Die idealtypische Nase eines Empfindungsnaturells ist klein und zart und könnte vielleicht mit Fug und Recht als „feiner Riecher“ bezeichnet werden.
Das Naturell der Ohren gibt uns Auskunft über die Tiefenschichten der Seele und sagt uns etwas über die unbewussten Antriebe. Das idealtypische Ohr eines Ernährungsnaturells ist rund und fleischig. Es hat nicht selten ein großes Ohrläppchen und oftmals seine Betonung im unteren Drittel des Ohrs. Die unbewussten, aber drängenden Antriebe gehen in Richtung Ökonomie und Ernährung.
Das idealtypische Ohr eines Bewegungsnaturells groß und langgestreckt. Die unbewussten, aber drängenden Antriebe gehen in Richtung Bewegung und Dynamik. Oftmals finden wir Menschen vor, die mit großem seelischem Urvertrauen auch einsame Entscheidungen treffen können.
Das idealtypische Ohr des Empfindungsnaturells ist fein und zart. Die Modellierung des Ohres ist ebenfalls fein und zart. Die unbewussten, aber drängenden Antriebe gehen in Richtung Empfindung und Kreativität. Die Seele sucht immer das Schöne, Wahre und Gute.

In diesem Sinne gibt es noch viele Einzelmerkmale, wie zum Beispiel den Mund, die Augen, das Kinn usw.
Uns mit unseren eigenen Energien in Einklang zu setzen, unsere Talente und Bedürfnisse zu entdecken, ist vielleicht eine unserer wichtigsten Aufgaben im Leben. Denn so finden wir Gesundheit und Harmonie. In den Formen lebt der Geist.
Durch die Physiognomik können wir unter Verfeinerung unserer Energien mehr und mehr lernen, uns selbst und andere zu erkennen und zu respektieren. Dies ist keine Fähigkeit von Einzelnen. Wir können es alle und konnten es schon immer. Wir können schaffen, unseren Nächsten zu lieben, wie uns selbst.

„Einst lebten wir glücklich und
jeder war schön, ohne daran zu denken.“

(altes indianisches Zitat)

Martin Schönleben

Weitere Informationen:
Schönleben
Schule für Traditionelle Chinesische Medizin
Elsterstr. 25 · 44892 Bochum
Tel. 0234.29 49 05
info@schoenleben.biz
www.schoenleben.biz

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
(Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. Kapitel 21)

 

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