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Vermenschlichung von Hunden

... über falsch verstandene Tierliebe, unter der Hunde leiden

V or zigtausend Jahren haben Wölfe vermutlich zunächst die Nähe des Menschen gesucht, weil dort Reste von Jagdbeute für sie übrig blieben. Damit kein anderes Tier davon profitierte, verteidigte der Wolf seine Futterquelle und somit auch Hab und Gut des Menschen. Eine Symbiose entstand, von der Tier und Mensch profitierten. Wahrscheinlich wurden auch hin und wieder verwaiste Wolfswelpen aufgezogen. Die Wölfe, die leicht zähmbar waren, blieben, die anderen wurden verjagt oder getötet und verwertet. Irgendwann bekamen die zahmen Wölfe in der Umgebung der Menschen Junge und es begann eine Selektion nach den charakterlichen Merkmalen, die dem Menschen gefielen. So wurde im Laufe der Zeit aus dem Wildtier Wolf das Haustier Hund.
Durch die Zucht wurden bei den Hunden verschiedene Eigenschaften hervorgehoben und ihnen spezielle Aufgaben zugeteilt. Es wurden Rassen z.B. zu Jagdzwecken gezüchtet, zum Treiben von Schafen oder anderen Herdentieren, zum Bewachen von Haus- und Hof oder zum Ziehen von Karren. Durch die Industrialisierung und Veränderung unserer Lebensbedingungen wurden den Hunden viele Aufgaben abgenommen. Die Rassevielfalt mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen ist jedoch geblieben.

Aufgaben der Hunde

Die wenigsten Hunde erfüllen heutzutage noch die Aufgaben, für die sie einst gezüchtet wurden. Daher versucht man, die Stärken einzelner Rassen für neue Aufgaben zu nutzen, indem man sie zu Blindenführhunden, Drogensuchhunden, Therapiehunden, Mantrailern (Menschensuchhunden) und für den Schutzdienst ausbildet.

Hund als Sozialpartner

Im privaten Bereich stehen neben der Bewachung von Eigentum aber vor allem soziale Aufgaben im Vordergrund. Viele Menschen schaffen sich einen Hund an, um sich selbst zu mehr Bewegung zu zwingen oder um beim Joggen Gesellschaft zu haben. Gelegentlich dient ein Hund auch als Statussymbol. Doch am häufigsten nimmt er die Rolle eines Sozialpartners ein bzw. soll ihn ersetzen. Laut einer Umfrage des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe e.V. im Juni 2012 gelten Tiere als vollwertige Familienmitglieder und fast drei Viertel der befragten Tierhalter empfanden ihre Heimtiere als „treue Freunde“.
Und wie Familienmitglieder bzw. wie treue Freunde werden Hunde dann auch oft behandelt. Hierbei ist zu beachten, dass dem Tier in jedem Fall genaue Grenzen gesetzt werden sollten.
Die wenigsten Hunde sind Leithunde. Sicherheit und klare Regeln bedeuten für sie Führungskompetenz. Hunde verständigen sich untereinander u.a. über Körperhaltung, -spannung, Lautäußerungen wie Knurren und Bellen, optische Signale (z.B. Lefzen hochziehen, Gähnen etc.) und Aktionen (z.B. Beißen, Ducken usw.). Ein Leithund (kompetenter Anführer eines Hunderudels) agiert besonnen und ruhig und ist vornehmlich auf Konfliktvermeidung bedacht. Er beobachtet vorausschauend und versucht, durch schnelle Einschätzung von Situationen das Rudel zu beschützen.

Missverständnisse in der
Mensch-Hund-Beziehung

Der Hund möchte auch im Menschen den Anführer sehen, dem er die Verantwortung für seinen Schutz anvertraut. Wird er allerdings wie ein gleichberechtigtes Familienmitglied behandelt und gibt es keine klaren Regeln, stellt er die Führungskompetenz seiner Halter in Frage und übernimmt selbst die Führung. Dadurch wird er in eine Rolle gedrängt, die ihn überfordert und ihm Führungsqualitäten abverlangt, die die meisten Tiere nicht aufbringen können. Doch aus Sicht des Hundes muss er die Führung des Rudels übernehmen, da seine Halter dazu offensichtlich nicht imstande sind. Denn wären sie stark genug, dass er sich ihnen vertrauensvoll unterordnen könnte, dürfte er sie nicht an der Leine hinter sich her zerren, Betteln würde nicht geduldet, die Befolgung von Kommandos wäre selbstverständlich u.v.a.m.
Die meisten Hundebesitzer meinen es sicherlich gut und ahnen gar nicht, was sie ihrem Tier durch ihr nicht artgerechtes Verhalten antun. Da das Rudel aus Sicht des Hundes nicht sicher ist, muss er sich selbst um dessen Schutz kümmern. Diese permanente Überforderung setzt ihn großem Stress aus. Er kann sich nicht entspannen und fallen lassen, sondern versucht einer Aufgabe gerecht zu werden, der er nicht gewachsen ist.

Gefahren der Vermenschlichung

Unsichere Tiere können erkranken und im schlimmsten Fall zu tickenden Zeitbomben werden. Außerstande, Situationen und Gefahren richtig einzuschätzen, schießen sie womöglich übers Ziel hinaus und beißen z.B. Eindringlinge, um ihre Menschen zu beschützen. Sie können sich sogar gegen ihre Halter wenden, wenn sie die vom Hund aufgestellten Regeln nicht einhalten.
Damit es nicht soweit kommt, vermitteln Sie Führungskompetenz. Stellen Sie selbst die Regeln auf und vermitteln in jeder Situation klare Signale (verbal, körperlich oder mental). Hunde achten vor allem auf körperliche Signale wie z.B. Körperspannung und -haltung sowie die Stimmlage.
Lt. einer mir bekannten Tiertrainerin ist es empfehlenswert, aufrecht zu stehen und mit ruhiger, fester Stimme zum Tier zu sprechen. Emotionen verändern die Körperspannung und Stimmlage des Menschen, die der Hund sofort wahrnimmt.
Bedauern Sie ein Tier nicht, wenn es z.B. beim Gewitter Angst hat. Sie vermitteln ihm damit, dass Sie die Situation ebenfalls als bedrohlich einschätzen und verunsichern es dadurch zusätzlich.

Positive Konditionierung

Weiter rät die Tiertrainerin, sich vor Augen zu führen, dass ein Hund im Jetzt lebt. Auch wenn er erst kommt, nachdem Sie ihn wiederholt gerufen haben, sollten Sie ihn dennoch loben. Denn er hat ja JETZT gehorcht. Würden Sie mit ihm schimpfen, würde er daraus schlussfolgern, er habe nicht das Richtige getan und fortan erst recht nicht mehr kommen, wenn Sie ihn rufen. Viele Hunde lassen sich auch deshalb nicht abrufen, weil sie jedes Mal angeleint werden, wenn sie das Kommando befolgen. Dadurch entsteht eine negative Verknüpfung.
„Der weiß genau, was er gemacht hat“, hört man mitunter Hundebesitzer sagen, wenn sie ihr Tier im Nachhinein strafen. Seien Sie sicher, es weiß garantiert nicht, was es fünf Minuten zuvor falsch gemacht hat. Es spürt und riecht hingegen den Ärger, den es aber überhaupt nicht einzuordnen weiß und entsprechend unsicher wird.
Es ist daher wichtig, dass Sie das Tier immer loben, wenn es etwas – und sei es auch erst im dritten Anlauf – richtig gemacht hat, damit ein befolgtes Kommando positiv verknüpft wird. „Leckerchen“ sind dabei noch nicht einmal nötig, wenn Sie möchten, dass Ihr Hund gehorcht, weil er ein stabiles Verhältnis zu Ihnen hat und nicht zu den Leckerchen in Ihrer Tasche.

Ernährung

Da der Hund sich seine Beute in der Regel nicht mehr selber erjagen darf, ist der Mensch verpflichtet, ihm eine annähernd artgerechte Ernährung zukommen zu lassen, um Krankheiten vorzubeugen. Die Verarbeitung und Zusammensetzung der Nahrung sollte mehr Gewicht bei der Wahl des Futters haben, als die Versprechungen der Werbung, der Preis oder die Bequemlichkeit.
Ein Blick zum Vorfahr Wolf lässt dies deutlich werden, wie wichtig eine ausgewogene Ernährung ist. Wölfe erlegen Tiere und fressen alles mit „Haut und Haar“. Der rohe Verzehr von Fleisch, Innereien, Knochen und Weichteilen der Beutetiere versorgen den Wolf mit allen für ihn notwendigen Nährstoffen. Heute ist das für den Hund nicht mehr gegeben. Industriell hergestelltes Futter enthält neben chemischen Zusätzen weitere artfremde Rohstoffe wie Soja, Getreide, Zucker ect. Dies entspricht nicht den natürlichen Anforderungen des Hundeorganismus‘. Allergien, Diabetes, Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen, Krebs, Knochenveränderungen, Schilddrüsenerkrankungen, Epilepsie oder Autoimmunerkrankungen können die Folgen einer ent-arteten Ernährung sein. Zudem können dadurch nicht nur körperliche Erkrankungen hervorgerufen werden, sondern vielfach auch Verhaltensauffälligkeiten.

Veranlagung

Die Bedürfnisse und Anlagen der einzelnen Hunderassen werden oft außer Acht gelassen. Hütehunde wollen hüten, Jagdhunde jagen usw. Bietet der Mensch keine entsprechenden Alternativen, können Verhaltensauffälligkeiten oder sogar körperliche Symptome auftreten.
Wenn man Überlegungen über die Auswahl der richtigen Beschäftigung anstellt, sollte man bedenken, dass ein erwachsener Hund ein tägliches Schlafbedürfnis von ca. 16-20 Stunden hat. Gerade hyperaktive Tiere sollte man daher eher zu Pausen zwingen, als ihnen ein „Programm“ zuzumuten, das sie aufpusht. Denn auch die Hundepsyche verlangt nach Ruhe.
Im besten Fall informiert man sich bereits vor der Anschaffung eines Hundes über die Bedürfnisse und genetische Veranlagung der ausgewählten Rasse und fragt sich: Wird die Rasse meinen Lebensgewohnheiten und der dem Tier zugedachten Aufgabe gerecht? Habe ich genügend Zeit und Ausdauer, dem Hund die nötige Aufmerksamkeit und Bewegung zukommen zu lassen? Kann ich den Ansprüchen der Rasse genügen? Bin in der Lage den Hund „zu führen“?
Ist das Tier bereits da und es gibt Probleme, ist der Besuch einer guten Hundeschule empfehlenswert, in der Sie lernen, Ihrem Hund ein „natürlicher Anführer“ zu sein. Er wird es Ihnen mit Gesundheit und Loyalität danken!

Weitere Informationen:

Stephanie Rosen, Tierheilpraktikerin
www.meine-heile-welt.de








 

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