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Milch

Genuss ohne Reue?

Wenn man den Werbeslogans der Milchwirtschaft glauben darf, sind Milch und Milchprodukte gesund. Sie liefern unserem Körper wichtiges Eiweiß, ein paar Vitamine und vor allem das für die Knochen so wichtige Kalzium. Häufig ist auch in anderen Produkten noch die „extra“ Portion Milch enthalten, damit wir Konsumenten mit gutem Gewissen ordentlich zulangen.
Doch wie steht es denn tatsächlich um unsere Milch? Ist sie wirklich so gesund, wie man uns seit Jahrzehnten glauben machen will?
Fakt ist, dass etwa 75 Prozent1 der erwachsenen Weltbevölkerung Laktoseintolerant sind. Diese Personen reagieren beispielsweise mit Kopfschmerzen, Durchfall und Blähungen auf die Zuckermoleküle der Milch. Ein weiterer, wenn auch deutlich geringerer, Anteil reagiert allergisch auf das Milcheiweiß und darf Milchprodukte überhaupt nicht verzehren. Wird diese Unverträglichkeit ignoriert oder nicht erkannt, können daraus Folgeschäden entstehen. Da der Darm damit beschäftigt ist, mit dem Milcheiweiß zurechtzukommen, kann er wichtige Vitalstoffe nicht in ausreichende Menge aus der Nahrung aufnehmen, wodurch es zu einem Mangel derselben kommt. Die Folgen daraus sind beispielsweise: Magen-Darm-Erkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem.

Vorsicht, Osteoporose!

Eine aktuelle Studie der Harvard University meldet generell Bedenken bezüglich der Wirkung des Kalziums aus der Milch auf den menschlichen Körper an. Bei dieser Studie testeten die Wissenschaftler der Harvard Public School for Health 75.000 Frauen über einen Zeitraum von zwölf Jahren auf die Wirkung von Milch auf die Knochen. Bei den Testpersonen, die regelmäßig Milch und Milchprodukte zu sich nahmen, wurden die Knochen jedoch nicht widerstandsfähiger, sondern waren sogar einem höheren Bruchrisiko ausgesetzt. Ganz anders sah es hingegen bei den Frauen aus, die während der Studie keine bzw. nur wenige Milchprodukte zu sich nahmen. Die Wissenschaftler erklären diese erhöhte Gefahr durch die säurebildende Wirkung der Milch auf den Körper. Denn Säure entzieht den Knochen ihren Kalziumvorrat und die Anfälligkeit für Osteoporose steigt. Zu denselben Ergebnissen kamen auch die Wissenschaftler der NursesHealth Study2. Eine andere Studie aus dem Jahre 2001, welche im American Journal of Clinical Nutrition3 veröffentlich wurde, zeigt ebenfalls sehr deutlich, welch negative Auswirkungen Milch auf die menschlichen Knochen hat. In dieser Studie wurden zwei Versuchsgruppen bestehend aus älteren Frauen miteinander verglichen. Jene Gruppe von Frauen, die mehr tierisches Eiweiß, unter anderen in Form von Milch, als pflanzliches Eiweiß zu sich nahmen, litten vermehrt an Knochenabbau und auch Hüftfrakturen als die Frauen der anderen Gruppe, die mehr pflanzliches Eiweiß im Verhältnis zum tierischen zu sich nahmen.
Ebenfalls wird Milch nach Auswertung diverser anderer Studien4-6 mit der Entstehung von Akne und anderen Hautkrankheiten in Verbindung gebracht. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Milchtrinker häufiger unter Akne leiden als jene Menschen, die dieses Nahrungsmittel nicht zu sich nehmen.

Zuckerkrank durch Milch?

Weitere Erhebungen8-10 bringen den Verzehr von Kuhmilch mit der Entstehung von Diabetes Mellitus Typ I in Verbindung. Bei einer anderen lang angelegte Studie der Harvard University wurden 20.000 männliche Teilnehmer untersucht. Bei jenen, die mindestens zweimal täglich Milch konsumierten, wurde ein um 34 % höheres Risiko festgestellt, an Prostatakrebs zu erkranken als bei den Probanden, die während der Studie wenig oder gar keine Milchprodukte zu sich nahmen. Viele unabhängige Studien11-16 aus der Vergangenheit untermauern dieses Ergebnis der Harvard University. Und zu guter Letzt weisen weitere Untersuchungen17 darauf hin, dass der Verzehr von Milch und Milchprodukten zu Herzerkrankungen führen kann.
Trotz dieser vielen eindeutigen Forschungsergebnisse lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung noch immer, dass wir täglich Milch und Milchprodukte zu uns nehmen sollen, um unseren Kalziumbedarf abzudecken.
Dabei gibt es so viele gesunde Alternativen, mit denen wir unseren Körper ausreichend mit Kalzium versorgen können. Hierzu gehören unter anderen: grüne Blattgemüse, Sojaprodukte, Sesam, Petersilie, Nüsse, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne, Broccoli, Grünkohl, Wirsing, Bohnen, Linsen, Lauch, frischer Möhrensaft, Vollkornprodukte sowie Trockenfrüchte. Das Angebot an Lebensmitteln ist sehr groß. Bei den Getränken gibt es verschiedene Varianten aus Reis, Hafer, Hirse, Dinkel, Mandeln und einiges mehr. Statt Joghurt, gibt es Produkte aus Sojabohnen und anstelle von Käse tolle vegetarische und vegane Brotaufstriche. Als Sahneersatz kann man Muse und Cremes aus Mandeln und Co. verwenden.
Weltweit raten immer mehr Ernährungsexperten vom Verzehr von Milch und Milchprodukten ab und empfehlen stattdessen eine gesunde, vollwertige und ausgewogene Ernährung. Möglichst reich an frischem Obst und Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, guten pflanzlichen Fetten und Ölen sowie wenigen (bis keinen) tierischen Nahrungsmitteln. Die meisten Fachleute sind sich einig, dass
eine solche Art der Ernährung große Arbeit in der Krankheitsprävention leistet und zudem dabei hilft, Übergewicht vorzubeugen bzw. abzubauen. Dieser Meinung kann ich mich als Ernährungsberaterin nur anschließen.

Beatrice Schmidt

Das Buch zum Thema:

Beatrice Schmidt
Ich stell dann mal um
In vielen kleinen Schritten zu mehr Gesundheit und einem besseren Körpergefühl
ISBN: 978-3849544249, € 11,90 · Verlag: tredition

Weitere Informationen unter:

www.beatriceschmidt.de

Quellen:
• Pribila BA et al., "Improved lactose digestion and intolerance among African-American adolescent girls fed a dairy-rich diet." J Am Diet Assoc. 2000 May;100(5):524-8; quiz 529-30. - (Laktose Verdauung und Laktoseintoleranz bei Mädchen)
• Feskanich D et al., "Milk, dietary calcium, and bone fractures in women: a 12-year prospective study." Am J Public Health. 1997 Jun;87(6):992-7. - (Milch, Calcium und Knochenabbau bei Frauen)
• Sellmeyer DE et al., "A high ratio of dietary animal to vegetable protein increases the rate of bone loss and the risk of fracture in postmenopausal women. Study of Osteoporotic Fractures Research Group." - (Ein grosses Verhältnis von tierischem zu pflanzlichem Protein erhöht den Knochenabbau und das Risiko von Knochenbrüchen bei Frauen nach der Menopause) Am J Clin Nutr. 2001 Jan;73(1):118-22.
• Melnik BC. "Evidence for acne-promoting effects of milk and other insulinotropic dairy products." - (Belege für Akne-verursachende Effekte von Milch und anderen insulinotropen Molke-Produkten) Nestle Nutr Workshop Ser Pediatr Program. 2011;67:131-45.
• Danby FW. "Nutrition and acne." Clin Dermatol. 2010 Nov-Dec;28(6):598-604. - (Ernährung und Akne)
• Melnik BC, Schmitz G. "Role of insulin, insulin-like growth factor-1, hyperglycaemic food and milk consumption in the pathogenesis of acne vulgaris." Exp Dermatol. 2009 Oct;18(10):833-41. - (Die Rolle von Insulin, dem Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor 1, hyperglykämischem Essen und Milch Verzehr in Zusammenhang mit Akne)
• Laugesen M, Elliott R. "Ischaemic heart disease, Type 1 diabetes, and cow milk A1 beta-casein." N Z Med J. 2003 Jan 24;116(1168):U295. - (Herzerkrankungen, Diabetes 1 und A1 Beta-Casein aus Milch)
• Gerstein HC. "Cow's milk exposure and type I diabetes mellitus. A critical overview of the clinical literature." Diabetes Care. 1994 Jan;17(1):13-9. - (Kuhmilch und Diabetes 1: Ein kritischer Überblick)
• Wasmuth HE, Kolb H. "Cow's milk and immune-mediated diabetes." Proc Nutr Soc. 2000 Nov;59(4):573-9. (Kuhmilch und Diabetes 1)
• Alves JG. et al., "Breastfeeding Protects Against Type 1 Diabetes Mellitus: A Case-Sibling Study." Breastfeed Med. 2011 Aug 5. - (Stillen schützt vor Diabetes 1)
• Fairfield KM et al., "A prospective study of dietary lactose and ovarian cancer." Int J Cancer. 2004 Jun 10;110(2):271-7. - (Laktose und Eierstockkrebs)
• Larsson SC et al., "Milk, milk products and lactose intake and ovarian cancer risk: a meta-analysis of epidemiological studies." Int J Cancer. 2006 Jan 15;118(2):431-41. - (Milch, Milchprodukte und Laktose in Bezug auf Eierstockkrebs)
• Larsson SC et al., "Milk and lactose intakes and ovarian cancer risk in the Swedish Mammography Cohort." Am J Clin Nutr. 2004 Nov;80(5):1353-7. - (Milch und Laktose in Bezug auf Eierstockkrebsrisiko)
• Danby FW. "Acne, dairy and cancer: The 5alpha-P link." Dermatoendocrinol. 2009 Jan;1(1):12-6. - (Akne, Molke und Krebs)
• Kleinberg DL, Barcellos-Hoff MH. "The pivotal role of insulin-like growth factor I in normal mammary development." Endocrinol Metab Clin North Am. 2011 Sep;40(3):461-71, vii. - (Die zentrale Rolle des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors 1 bei der normalen Brustentwicklung)
• Ferrís-Tortajada J et al., "Dietetic Factors Associated With Prostate Cancer. Protective Effects of Mediterranean Diet." Actas Urol Esp. 2011 Sep 27. (Ernährung und Prostatakrebs)
• Martin RM et al., "Milk and linear growth: programming of the igf-I axis and implication for health in adulthood." Nestle Nutr Workshop Ser Pediatr Program. 2011;67:79-97.(Milch und lineares Wachstum: Programmierung der IGF-1 Achse und Beeinflussung der Gesundheit im Erwachsenenalter)


 

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