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Heiler der Erde

Besuch bei den Kogi

Mehr als einhundert in strahlend weiße Gewänder gekleidete Schamanen und Oberhäupter der Kogi stehen in Kreisen auf einer saftig grünen Wiese um einen uralten großen Baum, der das Zentrum dieser heiligen Stätte ist. Sie verbinden sich mit Alúna, dem Ursprung der Schöpfung. Fast alle sind rituell mit ihrem Poporro beschäftigt. Dieses gelbe, aus einem Kürbis gefertigte Gefäß ihrer heiligen Mischung aus Koka und Kalk ist wesentlicher Bestandteil ihres Weltbildes. Bis zu acht Meter große, rund geschliffene Felsen bilden den malerischen Rahmen.
Ich bin hier, weil ich die Kogi dabei unterstützen will, ihren Kaffee in Deutschland zu platzieren. Die Kogi suchen unter anderem eine Antwort auf die Frage „Ist dieser Deutsche, der nicht locker gelassen hat, der Richtige, um das Projekt „Café Kogi“ in Deutschland zu starten? Ist er spirituell genug, um unsere Absicht und Botschaft zu verstehen?“ Ich komme mir vor wie bei einem Vorstellungsgespräch in einer Welt, deren Regeln ich nicht kenne und deren Sprache ich nicht verstehe.
Gut ist, dass ich mich nicht zu verstellen brauche. Ich stehe nicht unter Druck, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Der Gedanke, mich als deutschen Schamanen vorzustellen, kommt mir angesichts dieser uralten Heilerkultur absurd vor. Was weiß ich schon im Vergleich zu den Mámus, den Schamanen und spirituellen Oberhäuptern der Kogi?

Die Mámus – Schamanen, Weise und Priester

Man berichtet, dass einige der Mámus, die hoch in den Bergen leben, die ersten 18 Jahre ihres Lebens in Dunkelheit in der Abgeschiedenheit der Berge verbringen. Dort, in kleinen Steinhäusern leben mehrere Schüler bei der Familie ihres Lehrers in einem separaten Haus und lernen, sich mit der unsichtbaren Welt der Spirits zu verbinden.
Um immer in Verbindung mit Mutter Erde zu stehen, tragen die Mámus möglichst keine Schuhe. Ihre Gebete erhalten die kosmische Ordnung. Während der Ausbildung bekommen sie eine salzarme Diät ohne Gewürze und wenig Fleisch. Weiße, helle Lebensmittel wie Mais, Kürbis, Pilze und Süßwassergarnelen werden bevorzugt. Betrachtet man die Ausbildungsinhalte, die von Kosmologie und Mythologie über verschiedenste Bereiche der Naturwissenschaften bis hin zu Ritualen und Heilwissen reichen, wird das große Wissen der Mámus deutlich. Die Kogi wissen, dass intellektuelle Tätigkeiten von der sprachlichen Kompetenz abhängen. Sprache ist ein Schwerpunkt der Ausbildung, so lernen sie ein sehr umfangreiches Vokabular. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Kogi eine eher intellektuelle Art des Schamanismus haben. Bei vielem, was ich lese und höre, meine ich, Ähnlichkeiten zum Daoismus zu erkennen.
Am Ende der Initiationsphase werden sie zum Sonnenaufgang zum Tageslicht geführt. Und wenn sie die Augen öffnen, sehen sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Sonnenaufgang. Sie sehen zum ersten Mal das Land ihrer Väter und Mutter Erde, die sie nur aus den Erzählungen kennen. In diesem Moment des ersten Tageslichts, wenn die Sonnenstrahlen langsam über die fantastische Landschaft gleiten, tritt der Ausbilder zurück und sagt: „Siehst Du? Es ist wirklich, wie ich es Dir erzählt habe. Es ist so wundervoll, Du musst es beschützen!“. Alles, wovon sie zuvor nur gehört hatten, wird in diesem Augenblick in dieser großartigen Pracht in ihre Welt geboren.

Entscheidungen durch Divination

Für alle wichtigen Entscheidungen befragen die Kogi Alúna, den Ursprung alles Seins, durch Divination. Dazu benutzen sie eine mit klarem Wasser gefüllte Kürbisschale, in die sie einen bestimmten Stein legen. Beim Betrachten der Blasen und Bewegungen sehen sie die Antwort auf ihre Frage. Jeder Mámu erzählt, was er sieht, und im Konsens wird eine Lösung besprochen. Diese Zeremonie kann nicht überall stattfinden, für bestimmte Themen und Fragestellungen gibt es fest zugeordnete, heilige Orte. Die Welt der Kogi basiert auf Analogien. Wenn irgendwann ein Mámu eine Eingebung zum Thema Kaffee an einem bestimmten Ort hatte, so werden zukünftig ähnliche Entscheidungen ebenfalls dort getroffen. Genauso gibt es für die Heilung von Krankheiten und zwischenmenschlichen Themen feste Orte.

Die Botschaft der älteren Brüder

Die Kogi sind die gewissenhaften Hüter einer Tradition, Philosophie und Art des Denkens, das in nahezu allen anderen Gegenden der Erde ziemlich gründlich durch die Ausbreitung unserer westlichen Kultur ausgerottet wurde. Begünstigt durch die politische Situation in Kolumbien, wodurch kaum jemand es bis vor wenigen Jahren wagte, die Sierra zu bereisen, gelang es ihnen zwischen Drogen, Terror und Militär, ihren Lebensraum zu erhalten.
Sie selbst bezeichnen sich als die Älteren Brüder. Ich – genauso wie Sie, liebe/r Leser/in – bin einer der Kleinen Brüder, die vor langer Zeit das Land der Kogi über das große Wasser verlassen haben. Noch heute sehen sich die Kogi als Hüter der Erde. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muss ihre Kultur überleben. Nur dann können sie die Erde retten.
Ihre Botschaft und Bitte, die ich weitergeben soll, ist: „Wir sind da, um dieses Gebirge zu beschützen, denn so beschützen wir die Erde und die Welt. Alle Gebirge liegen im Sterben, denn der Kleine Bruder zerstört sie, indem er Kohle und Öl daraus hervorholt und die Erde überwärmt. Wir sind dafür nicht verantwortlich, aber wir leiden darunter. Wir sind die Großen Brüder, es liegt in unserer Verantwortung, über die Erde und die Welt zu wachen. Wir müssen das Gleichgewicht bewahren und wir führen dafür die ganze spirituelle und geistige Arbeit aus. Wir sind traurig zu sehen, dass nicht alle Menschengruppen das tun, was sie tun sollten, um die Erde zu achten. Wir brauchen den Kleinen Bruder, damit er uns hilft. Ihr müsst die Erde und die Welt verstehen lernen. Der Kleine Bruder muss uns helfen, unsere Erde wieder zurückzuerhalten. Helft uns, das Herz der Welt zu schützen!“

Yulúka – das Gleichgewicht

All ihre Heilkunst basiert auf dem Gedanken, dass alles immer im Gleichgewicht sein muss. Wo das Männliche ist, sollte auch etwas Weibliches sein. Wer schlechte Gedanken hat, muss diese wieder durch Gebete und Nachdenken ins Gleichgewicht bringen. Als ihnen jemand eine präkolumbianische Goldfigur, die ihnen vor einigen Hundert Jahren gestohlen worden war, schenkte, konnten sie diese nicht in ihre Berge mitnehmen. Es fehlte bei dieser männlichen Figur das weibliche Pendant. Nur die eine Figur würde ein Ungleichgewicht in ihre Welt bringen. Nun werden sie so lange geduldig warten, bis die zweite Figur auftaucht. So erwartet man möglicherweise von mir bei meinem nächsten Besuch, dass ich meine Frau mitbringe, um auch hier ein Gleichgewicht zu haben.
Mehr, als ich es von anderen Schamanen kenne, sind die Kogi an den jeweiligen Gedanken und an der mentalen Ursache von Krankheiten interessiert. Als ich Máma Jacinto von meinen Bandscheibenproblemen erzähle, fragt er erst einmal, seit wann ich die habe und was damals passiert ist. „Was war in Deinem Leben, das Dich aus dem Gleichgewicht geworfen hat? Was ist damals geschehen, als Du die Rückenschmerzen bekamst?“ Meine Antwort, dass dies nach der Trennung von meiner ersten Frau begann, schien ihn zu befriedigen. Das Gespräch des Patienten mit dem Mámu hat durchaus psychologischen, teilweise belehrenden Charakter. Der Mámu erklärt den Menschen, die zu ihm kommen, was sie falsch gemacht haben und wie sie richtig zu leben haben. So könnten sie das Gleichgewicht zurück in ihr Leben holen.
Krankheit ist für die Kogi eine Bestrafung durch die Geisterwelt. Wenn ich ein körperliches oder geistiges Problem habe, habe ich Yulúka, das Gleichgewicht zwischen den Kräften, den sichtbaren wie unsichtbaren, gestört. Es gilt, den Ursachen der Krankheit auf den Grund zu gehen. Den Herren der Krankheit müssen entsprechend Opfergaben, meist aus Perlensteinchen, dargebracht werden. So soll das gestörte Gleichgewicht der Kräfte wieder hergestellt werden. Weil Krankheiten externe Ursachen haben, ist der Gebrauch von medikamentösen Heilmitteln in den Augen der Kogi unnütz; die Kogi verwenden nur selten Heilpflanzen.
Bei meiner Behandlung an einem heiligen Platz betet er in unverständlichem Gemurmel etwas und wählt sorgfältig zwei kleinere Steine aus einem Beutel. Die Steine soll ich in die rechte Hand nehmen und im Uhrzeigersinn einmal um meinen Kopf führen. Mit den Händen macht er Bewegungen, die eine Chakrenreinigung erahnen lassen. Es scheint, dass er feinstoffliche Energien aus meinem Energiekörper entfernt. Vor lauter Respekt wage ich es nicht, genauer nachzufragen. Danach muss ich mich einmal um mich selbst drehen, das war´s. Gut fünf Minuten dauerte das und war alles andere als spektakulär. Aber dem Rücken geht es nun wieder besser.

Das Projekt „kalashe“

Was die Kogi in meinen Augen auszeichnet, ist nicht etwas Paranormales oder Esoterisches. Alles war magisch, berührend und in unseren „aufgeklärten“ Augen unerklärlich. Wenn ein Kogi davon erzählt, wie sie in Harmonie mit der Natur leben, so ist dies magisch. Dies aber auf eine ganz andere Art und Weise, als wir es uns vielleicht heimlich wünschen. Meine Erfahrung mit Schamanen aus verschiedenen Ländern wurde hier wieder bestätigt. Diese Schamanen sind sehr normale Menschen, die eher unspektakulär arbeiten. In ihrem Bewusstsein, dass sie (mit) verantwortlich dafür sind, dass unsere Erde lebenswert bleibt, haben sich die
Kogi entschieden zu reisen. Im Herbst 2014 kommen zwei Mámus nach Deutschland, um uns ihre Botschaft zu überbringen. Sie werden am Weltkongress für Ganzheitsmedizin in München teilnehmen, sie werden Vorträge halten und auch einen Workshop geben. Durch ihre Integrität haben sie hohes Ansehen bei Regierungen und NGOs erworben. Sie haben den Dalai Lama getroffen, sie sprechen bei der UNESCO und der EU. All diese anstrengenden Reisen und die Merkwürdigkeiten unserer Gesellschaft nehmen sie in Kauf, weil sie sich ihrer Aufgabe voll und ganz verschrieben haben.
Wir beschließen, die Organisation „kalashe“ zu gründen, was in der Sprache der Kogi Vater/Ahne des Waldes bedeutet. Sie wird die Interessen der Kogi bei uns vertreten und die Botschaft der Kogi auch im deutschsprachigen Raum verbreiten. Der „Café Kogi“ ist ein Symbol für die Zusammenarbeit der älteren Brüder mit uns, er soll ein Bindeglied zwischen den Völkern werden. Er steht für Gemeinschaft und Balance, er erinnert uns daran, dass wir alle für das Gleichgewicht der Erde verantwortlich sind, ein Kaffee, der verbindet. Er ist zudem untrennbar mit der spirituellen Botschaft der Kogi verbunden.

Das Projekt (siehe unten)

Wer die Kogi bei der Rettung ihrer Kultur unterstützen möchte, findet auf www.kalashe.com die Möglichkeit, mit uns Kontakt aufzunehmen, Ideen zu teilen, zu spenden – und natürlich den Kaffee zu erwerben. Er wird ab Ende 2014 zu beziehen sein. Reservierungen sind ab sofort möglich.

Oliver Driver


Das Projekt „kalashe“

Zhigoneshi – wie Du mir, so ich Dir – ist das Gesetz von Geben und Nehmen. Die Kogi geben uns ihren Kaffee, wir schenken ihnen unsere Aufmerksamkeit und hören ihre Botschaft. Es dürfte kaum einen Kaffee geben, der diese Qualität verbindet mit traditionellem organischem Anbau, nachhaltiger Bewirtschaftung des Waldes und der wichtigen Botschaft eines weisen Volkes. Gemeinsam mit den Kogi entwickelt Oliver Driver das Projekt „kalashe“.
Oliver Driver ist Wandler zwischen den Welten. Er begann als Bauingenieur und Führungskraft, wechselte nach 18 Jahren in die Organisationsentwicklung und Coaching, arbeitet als Schamane und ist Autor zahlreicher Bücher. Er beschäftigt sich zurzeit mit Tiefenökologie, Prozessen für nachhaltigen Wandel, indigenem Wissen, Schamanismus und nun auch Kaffee.
Jedes Paket der gerösteten Bohnen erinnert daran, dass es da 1600 Familien in der Sierra Nevada gibt, die sich um die Erde sorgen und in den Urwäldern der Berge Kaffee ernten. Sie kümmern sich um Kaffeebäume, die mitten im Wald zwischen Avocado-, Papaya- und Mangobäumen, zwischen Bananenstauden und allen anderen dort üblichen Pflanzen wachsen. Im Gegensatz zu den Sträuchern, die wir in der Werbung für Filterkaffee sehen, ist die Kaffeepflanze natürlicherweise eher ein Baum, der einige Meter hoch wächst. Gerade die alten Bäume sind für die Kogi enorm wichtig. Sie sind die Ahnen aller jüngeren Kaffeepflanzen, sie sind Schutzherren, ihnen gilt besonderer Respekt. Ihnen bringt man Opfer dar.
Die Kaffeebauern werden gut bezahlt und ein weiterer Teil der Erlöse wird dafür verwendet, die heiligen Stätten der Kogi zurückzukaufen. Manche kosten nur einige tausend Dollar, andere Millionen. Gerade haben die Kogi es geschafft, sich mit Spendengeldern den Zugang zum Meer zu sichern und dort ein kleines Stück Land zu erwerben. Ohne diese heiligen Stätten können die Mámus ihre spirituelle Arbeit nicht vollziehen, was in ihren Augen das Überleben der gesamten Kultur – und damit unserer Welt – gefährdet. Nur wenn die Mámus das komplexe Weltbild der Kogi weiterhin mit Leben füllen können, haben sie die Möglichkeit, ihr Volk auf die heutigen Herausforderungen vorzubereiten, insbesondere aber zu beschützen. Für sie ist es eine Gratwanderung, die Abgrenzung zu den Kleineren Brüdern gerade durch den Kontakt zu ihnen zu ermöglichen.
Wer die Kogi bei der Rettung ihrer Kultur unterstützen will, findet auf www.kalashe.com die Möglichkeit, mit uns Kontakt aufzunehmen, Ideen zu teilen und zu spenden. So sammelt kalashe altes Gold (Zähne, Eheringe, Münzen…)und schmilzt es ein. Vor 500 Jahren geraubte Werte finden so ihren Weg zurück zu den Kogi.
Der hochwertige Kaffee, der durch Röster der Deutschen Röstergilde getestet wurde, wird ab Ende 2014 zu erwerben sein. Wenn Sie diesen besonderen Kaffee von besonderen Menschen probieren möchten, abonnieren Sie den Newsletter!
Wer die Kogi bei der Rettung ihrer Kultur unterstützen möchte, findet auf www.kalashe.com die Möglichkeit, mit uns Kontakt aufzunehmen, Ideen zu teilen, zu spenden – und natürlich den Kaffee zu erwerben. Er wird ab Ende 2014 zu beziehen sein. Reservierungen sind ab sofort möglich.

Weitere Informationen unter:
www.kalashe.com– die Seite zum Projekt
www.coaching-salon.net– Begleitung von Veränderungsprozessen in Unternehmen
www.oliver-driver.de– Persönlichkeitsentwicklung und Schamanismus

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