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Einfach Singen

macht glücklich und gesund

BALANCE sprach mit Dr. Karl Adamek

Macht Singen wirklich glücklich? Und wenn ja, warum?

Menschen, die viel singen, sind im Durchschnitt glücklicher, zufriedener und sozial aktiver als Menschen, die nicht singen. Denn beim Singen wird vom Gehirn neben vielen anderen guten Effekten verstärkt das Glückshormon Serotonin sowie das Beziehungshormon Oxytocin produziert.

Wie lange muss ich dafür singen?

Um diesen Effekt schon spürbar auszulösen braucht es nur etwa 20 Minuten. Länger bewirkt natürlich noch mehr. Und je häufiger wir es praktizieren desto tiefer kommen wir, wie bei allem im Leben. Wir müssen fast alles erst lernen.

Was geschieht dann?

Wir fühlen uns dann nicht nur glücklicher, nehmen die Welt durch eine glücklichere Brille wahr und handeln entsprechend lebensförderlicher, sondern wir können auch verstärkt Empathie und Mitgefühl für uns selbst und andere empfinden.

Macht gemeinsames Singen also noch glücklicher?

Ja. Weil man dabei gelingende Gemeinschaftlichkeit erfahren kann. Das steigert die vielen positiven Effekte des Singens noch. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht Beziehung und entfaltet seine Potenziale am besten in der Gemeinschaft.

Wie können das auch Menschen erleben, die glauben, nicht singen zu können und sich schämen?

Leider bewerten viele Menschen ihr Singen negativ und singen deshalb nicht gerne. Oft sogar überhaupt nicht mehr. Ihnen ist dann erst einmal der Zutritt zu dieser leicht zugänglichen Quelle von Lebensfreude und Vitalkraft versperrt.

Sind das dann „hoffnungslose Fälle“?

Nein. In unserer mehr als 25-jährigen Kurserfahrung können wir Mut machen: diese negativen Prägungen lassen sich relativ leicht überwinden. Wer nicht gerne singt, dem ist in der Regel als Kind gesagt worden, dass er nicht gut singt und damit aufhören soll. Daraus erwächst Scham und Unwohlsein beim Singen. Das löst sich aber schnell auf, wenn man gemeinschaftlich mit der eigenen Stimme frei experimentieren darf. Das ist für unsere Arbeit eine wichtige Grundlage.

Kann denn wirklich jeder Mensch singen?

Ja. Singen gehört zur menschlichen Natur. Singen ist Lebenselixier und Lebenshilfe. Wir haben dieses Potenzial offenbar nicht ohne Grund als Menschen mitbekommen. Singen hilft uns, im Alltagsstress immer wieder neu in Balance zu kommen. Ob wir meinen, „gut“ zu singen – nach welchen Maßstäben auch immer – oder „schlecht“: das ist gleichgültig für die vielen positiven Wirkungen des Singens. Je größer die Freude am eigenen oder gemeinschaftlichen Singen, desto größer die Wirkung. Ein altes indianisches Sprichwort lautet: „Wer gehen kann, kann tanzen. Wer sprechen, kann singen.“

Aber hier gibt es doch sicherlich große Unterschiede?

Das uns mitgegebene Potenzial „Singfähigkeit“ müssen wir ebenso wie unsere Sprachfähigkeit erst entfalten. Am besten, indem wir mit Menschen gemeinsam singen, die es aus ganzem Herzen und mit Freude tun. Alle sollten eigentlich darin von frühester Kindheit an gefördert werden. Wenn es so wäre, ginge es uns allen besser. Mit negativen Bewertungen des Singens behindert man die gesunde Entwicklung von Kindern und
Erwachsenen. Alle haben ein Recht, das eigene Singen zu entfalten und mit der Stimme zu singen, die sie haben. Kinder, die viel singen, entwickeln sich auf allen Ebenen besser als Kinder, die nicht singen. Das konnte ich vor einigen Jahren in einer Untersuchung mit 500 Kindergartenkindern gemeinsam mit Dr. Thomas Blank zeigen.

Kann uns Singen gesund machen?

Als ich vor fünfundzwanzig Jahren die gesundheitlichen Wirkungen des Singens untersuchte – womit ich damals wissenschaftliches Neuland betrat – fand ich heraus, dass Singen nachhaltig die physische, psychische, soziale und spirituelle Gesundheit fördert. Deshalb bezeichnete ich Singen als „Gesundheitserreger“. Es erregt Gesundheit in einem solch erstaunlichen Maß, dass ich mich entschied, mein weiteres Leben der wissenschaftlichen Erforschung und praktischen Verbreitung dieses Wissens als „musikantischer Psychotherapeut“ zu widmen. Singen fördert die gesunde Funktionsweise des Gehirns von der frühesten Kindheit bis ins hohe Alter, bestätigt der Neurobiologe Prof. Gerald Hüther.

Kann singen denn auch heilen?

Singen heilt nicht spezifisch eine Krankheit sondern stärkt ganzheitlich die Selbstheilungskräfte und das Zusammenspiel von Körper, Geist und Seele, so dass der Organismus selbstständig mit der Krankheit fertig werden kann. Beim Singen wird zum Beispiel die Produktion von Immunglobulin A im Blut angekurbelt, also das Immunsystem gestärkt. Aber das Singen wirkt noch viel umfassender. Es baut nachweislich Angst und Stress ab, die größten Krankmacher unserer Zivilisation. Singen wirkt antidepressiv. Wer regelmäßig einfach singt, kann sogar einen Burnout vermeiden oder überwinden.

Kann man Singen noch als Erwachsener lernen?

Ja, unbedingt! Es lohnt sich für jeden, diese Quelle für sich zu entdecken. Das kann man in jedem Alter. Seit über 25 Jahren biete ich entsprechende Kurse gemeinsam mit der Musiktherapeutin Carina Eckes und der Qigong Lehrerin und Heilpraktikerin Heike Kersting für alle an, die das lernen möchten. Für diese Arbeit habe ich Ende der 80er Jahre den Begriff „Heilsames Singen“ und „Heilsame Singen in Bewegung“ geprägt.

Ist es denn dabei gleichgültig, was, wie und wo ich singe?

Die größten positiven Wirkungen des Singens erreichen wir, wenn wir jenseits von Leistungsstress und Bewertung frei und spielerisch einfach singen dürfen. Einfach, das heißt als ein unmittelbarer und spontaner Ausdruck unserer augenblicklichen Befindlichkeit. Dabei ist eine entspannte mittlere Stimmlage, eine Wohlfühlstimmlage, am besten. Es geht nicht um Hochleistungssport, eher um Breitensport. Das kann in der Badewanne oder beim Duschen sein, im Auto oder in Gemeinschaft mit anderen. Es geht dabei vor allem darum, dass wir uns den äußeren und inneren Raum dafür schaffen, tief in unser Inneres zu spüren, die verschlüsselten Botschaften aus den Tiefen unseres Seins im Klang der eigenen Stimme und beim gemeinsamen Singen auch in den Stimmen der anderen – im wahrsten Sinne des Wortes - zu erhören. Es geht um die Entfaltung des allen Menschen gegebenen Potenzials „Mitgefühl“.

Kann ich das lernen?

Ja und sogar ein ganzes Leben lang noch vertiefen. Das ist zugleich eine wunderbare Form der Meditation, des Ausgleiches zur Mitte hin. Genau darum geht es in unseren Kursen. Wir haben dafür über die Jahre leicht lernbare gemeinschaftliche Formen des freien Singens und viele mantrische Gesänge geschaffen. Die musikalischen Formen und deutschsprachigen Texte helfen, Verspannungen, Stress, Angst oder Trauer zu wandeln. So heißt es in einer Zeile humoresk: …jeder Mist ist Dünger – grad so, wie man schaut… oder in einer anderen …Wunden werden dann Wunder, irgendwann…

Wie könnte ich damit anfangen?

Für alle, die nicht die Möglichkeit haben, unsere Kurse zu besuchen oder die sich darauf vorbereiten oder später alleine damit ihren Alltag verschönern möchten, haben wir CDs aufgenommen. Mit meinem Arbeitsbuch „Die Stimme – Quelle der Selbstheilung“ oder mit dem des Psychotherapeuten Dr. Alfred Schultz „Singe JA – Lebe JA“ kann man den Kern unserer Arbeit gut kennenlernen. Bei beiden liegen Übungs-CDs bei. In den vielen CDs von uns finden sich geeignete Mantren, die Ihnen in Ihrer augenblickliche Situation als ein gutes Vehikel für Ihren aktuellen singenden Selbstausdruck dienen können.

Wurde „Heilsames Singen“ ein Erfolgskonzept?

Heilsames Singen zielt vor allem darauf ab, dass wir selbst die Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen. Dazu sind immer mehr Menschen bereit. Sie erkennen dabei, wieviel mehr Lebensqualität sie gewinnen, wenn sie auf diese Weise durch die Welt gehen. In diesem neuen Zeitgeist ist unsere Grundidee des Heilsamen Singens in den letzten Jahren von Vielen aufgegriffen, vielfältig variiert und verbreitet worden. Das freut uns sehr.

Gibt es „Heilsames Singen“ auch in Kliniken?

Aus unser Arbeit ist vor einigen Jahren das Netzwerk „Singende Krankenhäuser“ hervorgegangen. In zahlreichen psychosomatischen Kliniken wird heute Heilsames Singen erfolgreich eingesetzt. Wir bilden darin auch Angehörige aus helfenden und heilenden Berufen aus. Die Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen sind bundesweit führend in ihrem psychosomatischen Ansatz und praktizieren unsere spezielle Form des Meridian-Singens seit über zehn Jahren erfolgreich. Bei dieser speziellen Form des Heilsamen Singens haben wir die Erkenntnisse der Traditionellen Chinesischen Medizin integriert.

Wurde die Bedeutung des Singens unterschätzt?

Wir haben als Menschen mit unserer einzigartigen Singfähigkeit ein wundervolles Werkzeug, unsere Gesundheit und vor allem Glücks- und Liebesfähigkeit zu entfalten. Dies wird heute weltweit noch nicht einmal annähernd in seinen Möglichkeiten genutzt.
Der weltberühmte Musiker Yehudi Menuhin war davon überzeugt, dass die vollständige Entdeckung der Potenziale des Singens ein friedliches, glückliches und gesundes Zusammenleben der Völker wahrscheinlicher macht. Meiner Ansicht nach erleben wir auch aus diesen Gründen zur Zeit eine Renaissance des alltäglichen Singens in Deutschland und anderen Ländern. Jede und jeder kann sich aktiv in diese Entwicklung stellen und die Entdeckungsreise in das eigene Singen beginnen.

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Info & Kontakt:

Heilsames Singen: www.karladamek.de
CDs, Bücher, etc.: www.canto-verlag.de
Singnetzwerk: www.il-canto-del-mondo.de


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