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Labyrinthe

Orte der Kraft

In einem Labyrinth verliert man sich nicht

Viele denken beim Wort Labyrinth zunächst an Heckenirrgärten in Parkanlagen oder an Maislabyrinthe. Dabei ist ein Labyrinth so viel mehr!
Alle alten Labyrinthe zeichnen sich dadurch aus, dass es nur einen Weg zur Mitte gibt, ohne jede Abzweigung und Sackgassen. Trotzdem ist der Weg des Labyrinths verschlungen und nicht jeder findet den Weg von alleine. Denn man braucht Geduld, den Weg auch bis zum Ende zu gehen. Der Weg durch ein Labyrinth ist ein Weg, in dem sich der Lebensweg des Menschen wiederspiegelt. So gilt das Labyrinth seit alters her als ein Zeichen für den menschlichen Lebensweg.
Das Labyrinth entstand vor ca. 5000 Jahren im Mittelmeerraum und hat sich in verschiedenen Kulturen quer durch Europa, Asien und Amerika ausgebreitet.
In verschiedenen Epochen erfuhr es besondere Beachtung, wie etwa im römischen Zeitalter, als es zur Dekoration römischer Villen genutzt wurde, oder unter den Wikingern und in der Gotik, wo es in den Kathedralen als Muster in den Boden gelegt wurden. Berühmte Labyrinthe gibt es in den Kathedralen von Chartres, Amiens und St. Quentin, ein vergleichsweise kleines auch im Kölner Dom.
In England und Deutschland entstand im 17. Jahrhundert die Tradition, Rasen-Labyrinthe anzulegen. Die meisten wurden zwischenzeitlich zerstört, doch an einigen Orten, wie z.B. im Eilenrieder Forst in der Nähe von Hannover sind sie noch erhalten. Erst im späten Mittelalter vor 500 Jahren wurden erstmals die uns bekannten Heckenirrgärten angelegt, die sich vom Labyrinth dadurch unterscheiden, dass sie zahlreiche Abzweigungen, Sackgassen und Kreuzungen haben.
Das alte Labyrinth erlebt in unseren Tagen eine neue Renaissance. In Deutschland sind in den letzten Jahren etwa 500 neue Labyrinthplätze entstanden, weitere sind in Planung.

Im Labyrinth findet man sich

Der Weg im Labyrinth ist durch viele Wendungen gekennzeichnet, Wendungen, die man annehmen und beschreiten muss. Dabei geht es nicht um die Frage, ob man etwas falsch oder richtig macht, die Botschaft lautet vielmehr: Geh weiter.
Labyrinthe werden oft auf Kraftorten errichtet, manchmal entsteht ein neuer Kraftort auch dadurch, weil dort ein Labyrinth errichtet wurde. In den letzten Jahren wurden Labyrinthe in Klöstern, in Gärten, in Schulen und Krankenhäusern gebaut.
Der Eingang und die Mitte spielen beim Labyrinth eine besondere Rolle. Dadurch, dass viele Menschen denselben Weg beschreiten, wird zusätzliche Energie aufgebaut. Je nach Form, Art und Größe des Labyrinths kann diese Energie sehr unterschiedlich sein. Immer wieder erstaunlich sind besondere Klangphänomene, die manchmal in der Mitte eines Labyrinths zu vernehmen sind. Oft hallt die eigene Stimme, als ob man in einem größeren geschlossenen Raum stehen würde.

Innere Einkehr

Das Besondere beim Begehen eines Labyrinths ist die spontane innere Einkehr. Man folgt dem Pfad, wodurch sich rasch sich eine innere Ruhe einstellt und man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. Beim Gehen ist der Mensch sich selbst der beste Zuhörer und viele berichten, dass der Gang durch das Labyrinth zu neuen Denkanstößen und Perspektiven geführt hat.
Das Labyrinth ist ein Bild des wechselvollen eigenen Weges. Zugleich ist es ein Aufruf zur Gelassenheit. Gelassenheit entsteht aus der Erkenntnis, dass das Leben so ist, wie es ist, und nicht anders. Dazu gehören Abschnitte nahe der Mitte und nahe am Rand, Wendepunkte, die mit Freude gegangen werden und solche, die Widerstand und Zögern auslösen.
Am wichtigsten für ein Gefühl von Gelassenheit ist das Vorhandensein einer Mitte – eines Ziels, eines Ortes der Geborgenheit und Ausgeglichenheit, eines Zentrums.
Manchmal sehen wir nur das Detail und verpassen darüber den Blick auf das Ganze.
Wer aus einer erhöhten Position ein ganzes Labyrinth überblickt, für den fügen sich die vielen Linien zu einem faszinierend schönen Ganzen, das einen in seiner Vollkommenheit und Schönheit staunen lässt. Wenn unsere eigenen Lebensbahnen sich so ineinanderfügen, dann ist alles gut. Möge der Weg gelingen.

Gernot Candolini

Mag. Gernot Candolini (*1959) ist
Labyrinthbauer, Autor zahlreicher
Bücher und Leiter der Montessorischule in Innsbruck

Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter:

www.labyrinth.at und
www.begehbare-labyrinthe.de


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