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Editorial Ausgabe 4/2013 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

zur diesjährigen August-Ausgabe, die mit vielen interessanten Beiträgen auf Sie wartet, heiße ich Sie herzlich willkommen.
Besonders gut gefällt mir der Artikel über Trauma-Aufstellungen nach Prof. Dr. Franz Ruppert, den Sie ab Seite 12 lesen können. Als ich ihn gestaltete, musste ich unwillkürlich an meine Zahnarzt-Phobie denken. Erst kurz vor ihrem Tod erzählte meine Mutter, dass Zahnarztbesuche mit mir immer ein einziger Albtraum gewesen waren, so sehr hatte ich um mich geschlagen und getreten. Schließlich vereinbarte sie nur noch Termine, wenn meine älteren Brüder Zeit hatten, uns zu begleiten und mich festzuhalten.
Bis heute erinnere ich mich nicht an diese Geschehnisse. Dass sie aber noch in mir wirken – und das höchst aktiv – merke ich jedes Mal, wenn ich zum Zahnarzt muss. Dann ist es so, als würde etwas Unbekanntes von mir Besitz ergreifen, dem ich hilflos ausgeliefert bin. Ich fühle mich wie ferngesteuert – und das bin ich dann vermutlich auch. Nur nicht aus der Ferne, sondern von dem Verdrängten in meinem Inneren.
Nicht nur diese ‚Zahnarztgeschichte‘ fiel mir ein bei der Gestaltung des Artikels ein. Vor allem fand ich in ihm die Antwort auf die Frage, warum meine Mutter seinerzeit oft so hart war: Sie konnte nicht anders handeln! Wie viele andere Trümmerfrauen nach Kriegsende hatte auch sie bis zum Umfallen geschuftet, doch wie zertrümmert sie innerlich selbst war, das war ihr fast ihr ganzes Leben lang nicht klar.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich sie auf ihrem letzen Weg begleiten durfte, denn in dem Jahr vor ihrem Tod konnten wir viele ihrer inneren Trümmer aufspüren und wegräumen. Wie viele wären es erst gewesen, wenn ich schon damals gewusste hätte, dass es so etwas wie Trauma-Aufstellungen gibt? Und wer weiß, was ich – genauso unbewusst wie meine Mutter einst an mich – an meine Kinder weiter gegeben habe?
Meine Tochter z.B. knirscht nachts mit den Zähnen und um genau dieses Thema geht es in dem Beitrag „Total zerknirscht oder total entspannt“ ab Seite 6.
Schmerzhafte Erlebnisse sind nicht einfach dadurch „weg“, dass wir uns nicht mehr an sie erinnern. Vielmehr bestimmen sie unser Verhalten bis heute – ob durch Süchte, extremes Verlangen nach Anerkennung, übersteigerten Ehrgeiz, unerklärliche Verlustängste u.v.a.m.
Verdrängen bringt uns unserem Seelenfrieden nicht näher. Allein durch die Auseinandersetzung mit unseren – zumeist alten – Wunden können wir das erreichen.
Über Trauma-Aufstellungen zu sich selbst zu finden, ist ein Weg. Weitere zeigen wir in dieser Ausgabe auf und ich wünsche mir, dass der dabei ist, der auch Sie in ein glückliches
Leben führt!


Herzlichst
Ihre Anke Schmitz

Anke Schmitz

 

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